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Die Vojta-Therapie

 

Protokoll des 3. Themenabends der Klumpfußgruppe Ingoldingen vom 14. Juni 2002

 

Referentin: Frau Elke Blank, Physiotherapeutin mit langjähriger Vojta-Erfahrung bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen

 

 

Begründer der Therapie

 

Begründer ist der tschechische Neurologe Prof. Dr. Vaclav Vojta, der in Deutschland diese Therapie entwickelt hat.

 

Anfänge

 

Dr. Vojta arbeitete 1954 als Medizinstudent bei schwerstbehinderten Heimkindern und stellte fest, das Bewegungen gegen Widerstand regelmäßig abrufbare Muskelreaktionen bewirken.

 

Bewegungsentwicklung

 

Jeder Mensch kommt mit denselben angeborenen Bewegungsmustern zur Welt. In der kindlichen Bewegungsentwicklung lassen sich Parallelen zur Evolution ziehen. Analog den Evolutionsstufen Kriechen, Vierfüßlertand/Krabbeln und aufrechter Gang, entwickelt sich das Bewegungsmuster des Menschen. Dabei ist wichtig, das keine Stufe ausgelassen werden sollte (ohne bleibende Defizite). Auch schwerbehinderte Kinder sollten, um optimal gefordert zu werden, durch diese Stufen kommen.

 

Anwendung

 

Vojta wird im neuropädriatischen Bereich angewandt, z.B. bei Cerebralparesen, Spina bifida usw. In der Orthopädie bei Fußdeformitäten, Skoliose, Schiefhals, Hüftdysplasie, etc. Bei periphären Nervenläsionen zur Stimulation der geschädigten Nervenbahnen.

 

Ausführung der Therapie

 

Die Vojta-Therapie sollte nur von dazu entsprechend ausgebildetem Personal ausgeführt werden.

 

Für die Therapeuten sind jede Gelenkstellung, jeder Druckpunkt und jede Muskelaktivität genau beschrieben. Die abgerufenen Muskelaktivitäten werden durch DRUCK in ein bestimmtes GELENK in einer bestimmten RICHTUNG ausgelöst. Dies geschieht durch Propriozeption (= Eigenwahrnehmung, Tiefensensibilität). Durch die Vojta-Therapie erzielen wir Muskel- und Gelenkempfindungen, die sogenannten Tiefesensibilität oder Eigenwahrnehmung, die aus dem Inneren des Körpers stammt. Vor allem aber können wir so die angeborenen Bewegungsmuster auslösen. Kinder, die auf Grund einer Erkrankung wie dem Klumpfuß den Fuß nicht normal bewegen, lernen alle Muskeln am Bein und Fuß zu aktivieren. Das würden sie ohne die Therapie nicht können.

 

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Definition Propriozeption

(Eigenwahrnehmung, Tiefensensibiltät)

 

Vom lateinischen Wort proprius: eigen = Eigenwahrnehmung. Die Empfindungen, die von Sinnesrezeptoren in den Muskeln und Gelenken dem Gehirn zugeleitet werden.

 

Die Eigenwahrnumg vermittelt dem Gehirn wann und in welchem Umfang sich Muskeln zusammenziehen oder strecken oder gezogen, respektive gedrückt werden. Die Propriozeptin ermöglicht dem Gehirn, in jedem Augenblick zu erkennen, wo jeder Körperteil sich befindet und wie er sich bewegt.

 

Die Wahrnehmung der Tiefensensibilität von Muskeln und Gelenken trägt ebenfalls zu unserem Körperschema bei. Ohne diese Information wüßten wir nicht, wo sich die einzelnen Teile des Körpers in diesem Moment befinden und wie sie sich bewegen. Während der Bewegung aktualisiert die Tiefensensibilität unser Körperschema, so daß das Gehirn die nächste Bewegung korrekt vorplanen kann, nämlich wann sie den richtigen Muskel zur richtigen Zeit zur Kontraktion bringen muß.

 

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Reflexkriechen/-umdrehen

 

Durch Druck oder Zug (je nachdem wie eine Auslösezone am Besten stimuliert werden kann...) wird ein bestimmter Reflex (kriechen oder umdrehen) auf Grund der Tiefensensibilität ausgelöst.

 

Dabei lässt man den Säugling nicht effektiv kriechen, sondern hält ihn in der fixierten Lage, um eine Wiederholung der Übung zu erleichtern. Es hat den Anschein, das sich der Säugling mit aller Kraft wehrt und strampelt.

 

Das Strampeln ist jedoch die abgerufenen Muskelaktivität (in diesem Fall kriechen) und weil dies anstrengend ist, wird manchmal geschrien.

 

Die Vojta-Therapie stimuliert die richtigen Bewegungsmuster durch neue und korrekte Vernetzung im Gehirn, im idealen Fall bevor sich ein falsches Körperschema eingeprägt hat.

 

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Frage der Teilnehmer

 

Warum ist aktiver Muskelaufbau neben passiver Dehnung bei KF so wichtig?

 

Ohne Vojta weiß das kindliche Gehirn nicht, wie es die Bewegung korrekt ausführen muss (falsches Körperschema). Ebenfalls ist der Muskelaufbau für die Stabilität wichtig.

 

 

 

Quellenangabe: A. Jean Ayres, Bausteine der kindlichen Entwicklung, Springer-Verlag

 

Priska Hummel in Zusammenarbeit mit Elke Blank, Physiotherapeutin

Juli 2003