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Fragen und Antworten - Prof. Dr. Johannes Hamel

Professor für Orthopädie der Universität Witten/Herdecke.

Orthopädische Gemeinschaftspraxis in München.

 

Link: orthopaediepraxen.de

 

 


18. August 2007

Seit einigen Wochen verbreitet sich im Rahmen der Ponseti vs. OP Diskussion das Gerücht, dass die nach Ponseti behandelten KF in späteren Jahren (ca. ab dem 20. Lebensjahr) zu Arthrose neigen und wohl auch schon solche Fälle beobachtet wurden. Begründet wurde dies darin, dass durch die Ponsetibehandlung die Fehlstellung nur unvollständig korrigiert werde, bei einem gleichzeitig funktionell gutem Ergebnis.

Ich bitte Sie um Ihre Einschätzung zu diesem Thema.

 

Antwort:

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, und tatsächlich ist die Arthrose der Rückfußgelenke das Spät-Problem des idiopathischen Klumpfußes schlechthin, besonders auch deshalb, weil sie ausgesprochen schwer zu behandeln ist, Versteifungen schlechtere Ergebnisse haben als bei Nicht-Klumpfuß-Patienten.

Ob dieses Spätarthrose-Problem nun bei konservativ oder operativ-behandelten Patienten größer ist (beides wird behauptet), könnte nur mit einer sehr guten, vergleichenden Langzeit-Studie geklärt werden. Man müßte dann wirklich vergleichbare Ausgangsbefunde über Jahrzehnte beobachten. Das Problem hierbei ist meistens die "Wiederfindungsquote", d.h. nach 30 Jahren haben Sie vielleicht nur noch 65% der Patienten, die anderen sind verzogen, aus-gewandert oder wollen nicht mehr... Diese 35% könnten ja aber gerade die "Schlechten" sein. - Es gibt Langzeitbeobachtungen, aber - soweit mir bekannt - keine genau vergleichenden im o.g. Sinne.

Ausgangspunkt für eine Spätarthrose kann sicher eine belassene Fehlstellung (größeren Ausmaßes) sein, aber natürlich auch eine operativ herbeigeführte Gelenkschädigung. Ohne dies derzeit genau belegen zu können ist mein Eindruck: Die Spätarthrose wird vermutlich um so geringer sein, je besser die Stellungskorrektur gelungen ist (wobei leichtere Rest-Deformitäten wahrscheinlich toleriert werden), je besser die Beweglichkeit ist (schlechte Beweglichkeit bedeutet Überlastung von Nachbargelenken) und je besser auch die Weichteil-Balance des Fußes ist.

Ich kenne die von Ihnen zitierten "Gerüchte" nicht so genau, aber meinem Eindruck nach ist das Ponseti-Konzept in puncto Gefahr einer Spätarthrose eher vorteilhaft, zumindest solange, wie es nicht "überzogen" wird. Deshalb operiere ich z.B. gegen Ende des ersten Lebensjahres dann, wenn ich sonographisch (ist klinisch nicht immer zu erkennen!) keine ausreichende Korrektur erreicht habe (kommt allerdings nicht oft vor).


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4. Juni 2007

Sohn, 6 Wochen alt; KF links, wurde anfangs nach der konventionellen Methode behandelt und wird seit 2 Wochen in Stuttgart nach der Ponseti Methode behandelt. Es zeigt sich auf der linken Seite eine Hypoplasie des Femurs und des Unterschenkels. Die Verkürzung resultiert zu 0,5cm aus dem Oberschenkel und zu 0,5cm aus dem Unterschenkel, dies wurde beim Röntgen festgestellt. Die Knochenform und Durchmesser sind normal. Die Knochenkerne von Talus und Calcaneus sind ebenfalls deutlich kleiner ausgebildet. Die Beinlängendifferenz ist momentan unsere grösste Sorge.

1) Wie sind die Prognosen: vergrössert sich der Unterschied im Laufe des Wachstums oder besteht die Möglichkeit dass der Unterschied ausgeglichen wird?

2) Wie groß kann der Unterschied werden?

3) Welche Behandlungsmethoden gibt es?

4) Was bedeutet die deutliche Verkleinerung der Knochenkerne Talus und Calcaneus? Bleibt der Fuß kleiner?

 

Antwort:

Prognose der Beinlängendifferenz könnte ich in dem Alter noch nicht beurteilen. Klumpfuß-Beine sind häufig geringfügig kürzer, aber es könnte sich theoretisch natürlich auch um eine komplexe Fehlbildung handeln, das können aber die -sehr erfahrenen- Stuttgarter Kollegen sicher erkennen und beurteilen. Beeinflussen kann man dieses Problem derzeit gar nicht. Verkleinerung der Knochenkerne des Rückfußes ist klumpfuß-typisch. Klumpfüße bleiben häufig einige Millimeter kürzer als gesunde Füße, in aller Regel aber kein echtes Problem, gleich Schuhe können fast immer getragen werden. - Gute Behandlung des Klumpfußes ist auch für diesen Aspekt der wichtigste, beeinflußbare Faktor.


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06. März 2007

Behandlung meiner Tochter, Klumpfuß rechts., Ponseti-Gips-Redressions-Therapie, Achillessehnentenotomie, Versorgung mit Alpha- Flex- Schienen.

Meine Tochter wurde sofort nach der Geburt behandelt s.o. Jedoch haben wir mit der Alfa-Schiene Probleme gehabt. Sie akzeptiert diese Schiene nicht und bekam eine Oberschenkel-Nachtlagerungsschiene. Inzwischen bekommt sie auch Krankengymnastik. Meine Tochter ist jetzt 20 Monate alt, sie läuft gut. Da der Fuß immer noch eine starke Sichelform hat, fällt sie des öfteren.

Die Krankengymnastin meint, man könne an dem Fuß nicht viel machen, weil er sehr weich ist. Dehnübungen würden momentan nicht viel bringen. Ich mache mir Sorgen weil der Fuß schon auffällig nach innen zeigt .Kann man dies noch allein mit der Nachtlagerungsschiene korrigieren?

Es gibt sicher viele Methoden und Therapiemöglichkeiten. Aber man kann nicht vorher sehen, ob gerade diese die Beste für das Kind ist. Wir haben uns für die Ponseti Methode entschieden, weil angeblich die OP risikoarm ist und einen großen Erfolg verspricht. Aber leider trotz vieler Bemühungen, 8 Monate schlaflose Nächte, hat meine Tochter diese Schiene nicht akzeptiert. Jetzt trägt sie eine Nachtlagerungsschiene nur an dem einen Bein und kann besser schlafen. Aber der Fuß ist leider nicht gut geworden. Obwohl wir schon seit Ihrer Geburt damit konfrontiert sind und schon vieles durchgemacht haben un eben deshalb denke ich manchmal ob das alles für umsonst war? War es sicherlich nicht! Aber viel Erfolg hatten wir auch nicht. Was kann man noch für den Fuß machen ?
Gibt es evtl. . auch Schuhe welche man Tagsüber tragen kann?

 

Antwort:

Es ist schade, dass es anscheinend nicht möglich war, die Ponseti-Behandlung wie vorgesehen mit der Denis-Browne-Schiene fortzusetzen. Diese Schiene ist ein wichtiger Bestandteil des Ponseti-Konzeptes. Möglicherweise kann man auch mit einem anderen Modell nochmals einen Versuch starten. Die Schuhe müssen druckstellenfrei gut sitzen und man kann zu Anfang die Außenrotation etwas zurücknehmen. - Wenn es gar nicht möglich ist, ist eine Oberschenkel-Nachtschiene nach meiner Erfahrung die zweitbeste Lösung. Diese sollte aber ebenfalls eine deutliche Außenrotation des Füßchens gegen die quere Knieachse realisieren. Sollte das innenrotierte Gehen sehr ausgeprägt über etwa das vierte Lebensjahr hinaus anhalten, kann eine Sehnenverlagerung sinnvoll und erfolgreich sein.


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25. Februar 2007

Mann,28 Jahre; 6 x OP bis zum Alter von 18 Jahren, angeborener Klumpfuss links mit ausgeprägter Spitzfußstellung, Beinverkürzung von 2 cm, seit letzter OP im Alter von 18 trage ich nur noch orthopädische Schuhe.

Seit Jahren bemerke ich eine allmähliche Verschlechterung hinsichtlich der Schmerzen im betroffenen Fußgelenk. Während ich vor 10 Jahren noch relativ schmerzfrei Fußball spielen konnte, treten heute schon bei längerem Stehen bzw. nach Spaziergängen Schmerzen im Fußgelenk auf.

Was kann ich gegen eine weitere Verschlechterung des Zustandes bzw. zu einer Verbesserung des derzeitigen Zustandes tun?

 

Antwort:

Vermutlich sind degenerative (verschleißbedingte) Veränderungen der Fußwurzelgelenke die Ursache für die Verschlechterung. Dies kann ein Arzt für Orthopädie durch Untersuchung und unter Zuhilfenahme auch von Röntgenbildern feststellen. - Neben schuhtechnischen kommen gelegentlich auch operative Maßnahmen, manchmal auch versteifender Art, in Betracht.


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