Eine Informationsveranstaltung für Eltern von Kindern mit Klumpfüßen, Kinderärzte und interessierte Therapeuten
19. Juni 2004
15.00 bis 18.00 Uhr
Zentrum für orthopädische Fußchirurgie
Prof. Dr. med. J. Hamel Dr. med. C. Kinast
Schützenstraße 5
80335 München
Programm
- Begrüßung
- Internetprojekt (Iris Pott)
- Der idiopathische Klumpfuß - Wissenstand und Behandlungskonzepte (Prof. Dr. med. J. Hamel)
- Das Ponseti-Konzept (Dr. med. M. Sinclair)
- Hamburger Ergebnisse der Ponsetimethode (Dr. med. M. Sinclair)
- Operative Behandlung im Kindes- und Erwachsenenalter (Prof. Dr. med. J. Hamel)
Bericht zur Veranstaltung
Prof. Dr. med. Hamel begrüßte zu Beginn alle anwesenden Eltern, Ärzte und Therapeuten, insgesamt ca. 25, die sich in seinem Seminarraum in München in der Schützenstraße eingefunden hatten.
Im Anschluss an Prof. Dr. med. Hamel gab Fr. Pott, Mitorganisatorin der Veranstaltung, einige Hinweise zur Internetseite www.klumpfuß-info.de, dann kam Prof. Hamel erneut zu Wort mit seinem Thema "der idiopathische Klumpfuß-Wissensstand und Behandlungskonzepte". Anschließend wurde von Dr. med. Sinclair (Kinderkrankenhaus Altona) das Ponseti-Konzept näher erläutert. Zum Schluss wurde von Prof. Dr. med. Hamel noch kurz auf die operative Behandlung im Kindes- und Erwachsenenalter eingegangen.
Zu Beginn einige Hinweise zur Internetseite www.klumpfuß-info.de : Die Internetseite soll Eltern bzw. Betroffenen ermöglichen mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Die aufgeführten Artikel sind objektiv und sollen Eltern informieren, ebenso gibt es dazu Links im Internet.
Die Internetseite hat ein Expertenforum, bestehend aus Ärzten, Krankengymnasten und Orthopädiemechanikern an die man sich wenden kann, auch können Fragen an Dr. med. Sinclair u. Prof. Dr. med. Hamel gestellt werden (sowohl allgemein zugänglich als auch wenn gewünscht vertraulich).
Für alle Eltern und Betroffenen die Internetzugang haben sicherlich eine tolle Möglichkeit sich zu informieren und ihre Ängste und Unsicherheit gegenüber dem Klumpfuß etwas zu reduzieren.
Prof. Dr. med. Hamel ging in seinem Vortrag auf den idiopathischen Klumpfuß (Ursache unbekannt, von Geburt an bestehend, ohne z.B. neurolog. Hintergrund) ein. Er erklärte die Fehlstellungskomponenten des Klumpfusses (Spitzfuß, Rückfuß in Varus-Stellung, Hohlfuß, Vorfuß in Adductus- u. Supinatus-Stellung) und die Behandlungsprinzipien.
Dazu gehören u.a. Gipsredression (Wiederherstellen des "normalen" Fußes durch circuläre Gipsanlage), Weichteil-Entflechtung (operativer Eingriff bei dem z.B. Sehnen verlängert werden können, der Kapsel-Band-Apparat eröffnet wird), Retention (Aufrechterhalten des bisher erreichten Ergebnisses mit z.B. Schienenversorgung, Wickeltechnik), oder auch die Bewegungsschiene. Behandlungsergebnisse wie z.B. Rezidive, Unterkorrekturen usw. will man natürlich vermeiden, sind aber wie z.B. auch die Klumpfußwade, nicht ausgeschlossen.
Das angestrebte Behandlungsergebnis ist die Funktion des Fußes wiederherzustellen!
Auch Dr. med. Sinclair ging anfangs auf das Krankheitsbild mit herkömmlichen Operationsmethoden und auch deren Komplikationen (recht anschauliche Bilder, für so manches unerfahrene Auge vielleicht etwas erschreckend) ein. Neben der Ponseti-Methode wurden kurz andere konservative Behandlungskonzepte wie z.B Dimeglio oder Krankengymnastik nach Zukunft-Huber angesprochen.
Das Behandlungskonzept nach Ponseti besteht aus hauptsächlich zwei Faktoren: Erstens, dem "Calcaneus-Pedis-Block" und zweitens der "biomechanischen Kopplung". Das heißt, die betroffenen Fußwurzelknochen stehen in engem Verhältnis zueinander und deren Stellung macht gemeinsam die Fehlstellungskomponenten des Klumpfußes aus. Wird also bei der Korrektur eine Fehlstellungskomponente verändert, verändert man gleichzeitig - durch die biomechanische Kopplung- die weiteren Fehlstellungskomponenten. Es erfolgt immer eine Kombination der Bewegungen. Um eine Korrektur des Klumpfußes zu erreichen werden Gipse angelegt, die alle 5-7 Tage gewechselt werden. Zu Beginn erfolgt die Korrektur des Hohlfußes in Supination durch Anheben des Großzehenstrahls, anschließend erfolgt die Korrektur der Varus-Stellung des Calcaneus (Fersenbein) und der Adduktus-Stellung des Vorfußes (sichelförmige Stellung des Vorfußes) indem der Vorfuß zunehmend in Abduktionsstellung (nach außen, entgegen der Sichelform) gegipst wird. Während des Gipsens soll dabei weder die Ferse fixiert noch manipuliert werden. Eine Abduktionsstellung von 70° wird angestrebt. Ist die Spitzfußkomponente nach diesen meist 6-8 Gipsen noch nicht ausgeschaltet, erfolgt eine Achillotenotomie (Achillessehnenverlängerung) mit anschließendem Gips für 3 Wochen. Im Anschluss daran muss eine Abduktionsschiene getragen werden. Dabei werden im Abstand der Hüftgelenke des Kindes auf einer Schiene Schuhe in einem bestimmten Winkel befestigt. Diese Schiene muss für 3-4 Monate 24h / Tag getragen werden, bis zum Ende des 3./4. Lebensjahres nur zum Schlafen. Die Schiene ist besonders wichtig, damit das erreichte Behandlungsergebnis aufrechterhalten werden kann. Laut Dr. med. Sinclair empfinden einige Eltern die Schiene als störend oder unnötig, was das Behandlungsergebnis allerdings negativ beeinflusst. Die Abduktionsschiene ist also ein absolutes Muss!
Kurz ging Dr. med. Sinclair noch auf die Rezidivbehandlung nach Ponseti ein. Beim Kleinkind werden 2-3 redressierende Gipse nach oben genannten Schema angelegt, dann erfolgt die Weiterbehandlung mit der Abduktionsschiene. Beim Kleinkind über 2,5 Jahren sind auch Sehnentransfers üblich.
Zum Schluss wies Prof. Dr. med. Hamel nochmals eindringlich darauf hin, dass es nur auf den Funktionserhalt des Fußes und die Schmerzfreiheit ankommt. Auch operative Maßnahmen sind nur ein Bestandteil eines langfristigen Behandlungskonzeptes!
Für mich war es eine sehr informative Veranstaltung in der ich viel Neues über das Krankheitsbild und dessen Behandlungsmethoden erfahren habe. Vor allem aber die Ponseti-Methode klingt für mich sehr vielversprechend. Für (v.a. werdende) Eltern, die noch nie mit Operationsbildern zu tun hatten, waren manche Aufnahmen sicherlich heftig aber doch sehr informativ.
Als sehr positiv empfand ich es mit Prof. Dr. med. Hamel und Dr. med. Sinclair in der Pause und auch am Ende das persönliche Problem erläutern zu können, was sicherlich v. a. durch unsere kleine Runde möglich war.
Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung! Herzlichen Dank allen Mitwirkenden!
Text: Stefanie Bihlmaier,
KG und Mutter eines Kindes mit KF
Vielen Dank noch einmal an alle, die geholfen haben, diesen Tag mitzugestalten!



























