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Informationen und Austausch zum Thema Klumpfuß
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In der Einführung zu Dr. Ponsetis Buch "Der angeborene Klumpfuß, Grundlagen der Behandlung", 1996, erklärt Dr. Ponseti ein wenig die Entwicklungsgeschichte seiner "nicht-chirurgischen" Behandlungsmethode. Ich dachte, dies könnte hilfreich sein für das Verständnis, wie seine Methode entstanden ist.

 

Martin Egbert  (USA)

 

Im folgenden einige Auszüge aus der Einführung zu Dr. Ponsetis Buch.

 

Ponseti, I. V., "Der angeborene Klumpfuß, Grundlagen der Behandlung", OXFORD UNIVERSITY PRESS, Oxford, 1996, S. 3-7

 

"...Die Behandlung des Klumpfuß wurde in den letzten 150 Jahren kontrovers diskutiert. Als ich 1941 an die Medizinische Schule der Universität Iowa kam, um meine Ausbildung in orthopädischer Chirurgie zu vervollständigen, wurde der Klumpfuß von verschiedenen Mitgliedern des Personals behandelt, einige mit Manipulation und Gipsverbänden, andere durch Tapen der Füße in Denis-Brown-Schienen und wieder andere mit der Kite-Methode (1930): Entfernung einiger Stücke von einem Gipsschuh, um die Komponenten der Fehlbildung zu korrigieren. Die Thomaswindung wurde gelegentlich angewandt, um restliche Fehlbildungen zu korrigieren, aber letztlich landeten die meisten Füße bei Chirurgie. Die Brockman-Technik für die mittlere Entflechtung des Articulatio subtalaris (hintere Abteilung des Sprunggelenkes – Anmerkung des Übersetzers) und der mitteltarsalen Bänder war eine der gebräuchlichsten Operationen, die in der Abteilung durchgeführt wurden (Brockman 1930). Meine Kollegen und ich erweiterten die mittlere Entflechtung, um eine hintere Entflechtung einzuschließen, und wir machten oft eine seitliche Inzision, um die tarsalen Bänder zu befreien und gleichzeitig die tarsalen Knochen nach den Cuneiformia- und Metatarsalknochen auszurichten (Le Noir, 1966)... Über die Behandlungstechniken und –ergebnisse in unserer Abteilung vor 1948 wurde von Steindler, Le Noir und anderen berichtet (Blumenfeld et al. 1946; Steindler 1950, 1955; Le Noir 1966)."

 

"Robert Jones aus Liverpool und London schrieb 1923, daß er keinen Fall angetroffen habe, bei dem in der ersten Woche mit der Behandlung begonnen wurde und bei dem die Fehlbildung nicht durch Manipulation und Retention in zwei Wochen vollständig korrigiert werden konnte (Jones, 1923). Seine Erfahrung konnte in unserer Abteilung und in anderen Kliniken, die ich besuchte, nicht dupliziert werden, und die Ergebnisse waren nach einer sehr langen Behandlungsdauer weit entfernt davon perfekt zu sein. Konfrontiert mit diesen enttäuschenden Ergebnissen, machte ich mich daran zu entdecken, wie ein Klumpfuß durch Manipulations- und Retentionsgipse in zwei Monaten nach Geburt korrigiert werden kann, wie Robert Jones es beschrieben hatte."

 

"Obwohl [Dr. Hiram] Kite für viele Jahre der leitende Fürsprecher der konservativen Klumpfußbehandlung war und für seine lebenslänglichen Anstrengungen, das Klumpfußproblem ohne Chirurgie zu lösen, geehrt werden sollte, war seine Behandlung langwierig und wenig befriedigend. Ich war bestimmt dazu, die Schwachstellen zu entdecken, die ihn daran hinderten, Robert Jones´s Resultate zu erreichen. 1960 besuchte ich Kite für einige Tage in Atlanta, um seine Behandlungsmethode zu beobachten. 1965 gaben wir zusammen einen Kurs in Caracas, Venezuela, während welchem wir beide Gipsverbände verwendeten. Unsere Methoden differierten stark."

 

"Kite korrigierte jede Komponente der Fehlbildung einzeln statt simultan und obwohl er es schaffte, den Hohlfuß zu korrigieren und die Pronation des Fußes mit ihren schädlichen Folgen zu vermeiden, brauchte er für die Korrektur der Fersen-Varus übermäßig viel Zeit, da er nicht erkannte, daß der Calcaneus abduziert werden muß, bevor er evertiert werden kann. Er schaffte es jedoch, sohlengängige Füße zu erhalten. Ich werde darauf intensiver in Kap. 7, eingehen, wo ich die manipulative Behandlung diskutiere."

 

"Aus meinen Beobachtungen in der Klinik und im Op-Saal erkannte ich, daß das Versagen der Orthopäden bei der manipulativen, nichtchirurgischen Behandlung von Klumpfüßen zum Teil mit einem geringen Verständnis der funktionalen Anatomie sowohl des normalen als auch des Klumpfußes in Zusammenhang steht. Ohne dieses Verständnis ist es unmöglich, die Kräfte, die die Fehlbildung verursachen, zu verändern und die geeigneten korrigierenden Manipulationen und erhaltenden Gipse anzuwenden. Ich studierte dann die pathologische Anatomie des Klumpfußes. Ich sezierte mehrere normale Füße und drei Klumpfüße stillgeborener Babies und erhielt serielle Schnitte der zwei Klumpfüße eines 17 Wochen alten abgetriebenen Fetus. Unter Röntgenkinematographie studierte ich den Spielraum der Bewegungen tarsaler Bänder der normalen Füße und der Klumpfüße. Ich trainierte meine Finger, die Bänder und Knochen zu ertasten und ihre Bewegungen in normalen Füßen und in den Klumpfüßen zu erfühlen."

 

"Basierend auf diesen Studien entwickelte und verfeinerte ich in den späten 40er Jahren einen einheitlichen Behandlungstyp. In den späten 50ern, als ich unsere Patienten für einen Kurzzeit-Nachbehandlungsartikel überprüfte (Ponseti und Smoley, 1963), wußte ich, daß ich die richtige Herangehensweise zur Klumpfußbehandlung gefunden hatte, eine Herangehensweise, der wir bis zum heutigen Tag mit optimalen Ergebnissen gefolgt sind. Zeitgenossen, die sich unserem kinderorthopädischen Programm angeschlossen haben, waren beeindruckt, zu entdecken, mit welcher Leichtigkeit die meisten Klumpfüße in kurzer Zeit ohne Chirurgie gut korrigiert werden können..."

 

"...Eine gut ausgeführte orthopädische Behandlung, basierend auf einem tiefen Verständnis der funktionalen Anatomie des Fußes und der biologischen Antwort von jungem Bindegewebe und Knochen auf Richtungsänderungen der mechanischen Stimuli, kann nach und nach diese Fehlbildung bei den meisten Klumpfüßen reduzieren oder fast eliminieren. Weniger als 5% der Kinder mit sehr schweren, kurzen, dicken Füßen mit steifen Bändern, bei denen keine Dehnung erreicht werden kann, benötigen chirurgische Korrektur. Den Eltern aller anderen Kinder kann versichert werden, daß ihr Baby, wenn von Expertenhänden behandelt, einen funktionstüchtigen, sohlengängigen Fuß haben wird, der normal aussieht, keine Spezialschuhe benötigt und eine ziemlich gute Mobilität ermöglicht."

 

"Die Richtlinien für die Klumpfußbehandlungsmethode, welche ich 1948 entwickelte, ausführlich beschrieben in Kap. 7, sind folgende:

 

1. Alle Klumpfußkomponenten müssen gleichzeitig korrigiert werden  mit Ausnahme des Spitzfußes, welcher zuletzt korrigiert werden sollte.

 

2. Der Hohlfuß, welcher aus einer Pronation des Vorfußes gegenüber dem Rückfuß resultiert, wird korrigiert indem der Fuß bei gleichzeitiger Supinierung des Vorfußes abduziert und dabei in richtige Ausrichtung zum Rückfuß gebracht wird.

 

3. Während der ganze Fuß in Supination und Beugung gehalten wird, kann er sachte schrittweise unter den Talus abduziert werden, gegen Rotation im Sprunggelenk mit dem Daumen durch Gegendruck gegen den lateralen Aspekt des Taluskopfes gesichert.

 

4. Der Fersen-Varus und die Fuß-Supination korrigieren sich, wenn der ganze Fuß vollständig in maximaler Außenrotation unter den Talus abduziert wird. Der Fuß sollte niemals evertiert werden.

 

5. Nun kann der Spitzfuß durch Dorsalflexierung des Fußes korrigiert werden. Die Achillessehne muß eventuell subkutan durchtrennt werden, um diese Korrektur zu erleichtern..."

 

Eine komplette Kopie des Vorwortes und der Einführung zu Dr. Ponsetis Buch wurde in einem Referenzordner im Dateiabschnitt der Elterngruppe zur Unterstützung der Ponsetimethode abgedruckt unter http://groups.yahoo.com/group/nosurgery4clubfoot/.

Man muß sich der nosurgery4clubfoot-Gruppe anschließen, um Zugang zu dem Dateiabschnitt zu erhalten, aber es kostet nichts.

 

Vielen Dank an Regina und Daniel für die Übersetzung dieses Artikel und an Martin Egbert, der uns diese Artikel hat zukommen lassen.

 

Iris Pott

August 2003