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Fragen und Antworten - Dr. med. Marc Sinclair

Ponseti-Spezialist - bis Januar 2006 Oberarzt am Kinderkrankenhaus Hamburg-Altona, seit 1.2.2006 in Dubai tätig.

 


21. August 2007

Sohn, 3 Jahre alt; 5 Wochen Gipsbehandlung, Schienenbehandlung mit OS-Nachtlagerungsorthese, punktuelle AS-Verlaengerung mit 1 Jahr, KG nach Zunkunft-Huber.

Seit einigen Wochen verbreitet sich im Rahmen der Ponseti vs. OP Diskussion das Gerücht, dass die nach Ponseti behandelten KF in späteren Jahren (ca. ab dem 20. Lebensjahr) zu Arthrose neigen und wohl auch schon solche Fälle beobachtet wurden.

Begründet wurde dies darin, dass durch die Ponseti-Behandlung die Fehlstellung nur unvollständig korrigiert werde, bei einem gleichzeitig funktionell gutem Ergebnis. Ich bitte Sie um Ihre Einschätzung zu diesem Thema.

 

Antwort:

So weit mir bekannt , gibt es nur sehr vereinzelte Studien über Ponseti und Langzeit- Nachuntersuchungen. Die eine kommt aus Iowa, da Prof. Ponseti natürlich am längsten dabei ist an der Methodik zu arbeiten. Gerade wurden die Ergebnisse nach 50 Jahren Ponseti von Herrn Morcuende aus Iowa zusammengestellt und vorgetragen. Die Ergebnisse sprechen für sich und sollten den Kritikern der Methode wohl Stoff zum Nachdenken geben. Die zweite mir bekannte Studie, ist die von Herrn Ippolito. Er war der Erste in Europa, der nach einem Besuch in den USA die Methode verwendete. Er hat ca. 25 Jahre Nachuntersuchung publiziert und mit einer operierten Kontrollgruppe verglichen. Auch hier waren die Ponseti Füße um ein vielfaches besser. Die genauen Daten kann jeder in der elektr. Datenbank für Medizinische Zeitschriften (PubMed) nachlesen. Meines Wissens nach gibt es keine andere Langzeitstudie die für ein Früharthroserisiko bei Ponseti Patienten spricht. Im Gegensatz hierzu gibt es jetzt zahlreiche Langzeitstudien zu operierten Füßen (Aaronson, Dobbs etc). Hier wird klar belegt, dass die operierten KF ein Problem darstellen. Bereits allgemein bekannt ist, dass Fußfunktion überhaupt nicht mit dem Röntgenbild korreliert, daher hat eine radiologische “Unterkorrektur” bei klinisch komplett korrigierten Fuß keine Aussagekraft. Hierzu gibt es auch Veröffentlichungen.Ich denke, man muss sich die Diskussionspartner im Forum gut aussuchen. Zunächst wäre es angebracht, die allgemeine und neue Literatur zu diesem Thema zu lesen, bevor man mit dem Diskutieren anfängt. Ich kann nicht verstehen, wie man Ponseti “Gegner“ sein kann. Es geht darum, die beste Methode zur Behandlung von KF möglichst allen zugänglich zu machen, die darüber mehr erfahren wollen. Dabei darf es nicht um Gegner und Befürworter gehen, sondern um das Kind und seinen Fuß.


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08.Mai 2007

Kind, 8 Jahre, Zustand nach KF-OP; Redressionsgipse bis zur OP mit 4 Monaten. Bei OP Achillessehnenverlängerung, Subtalare Arthrolyse und Verlängerung des Mm. Tibialis , danach 6 Wochen Gips, Schienen und KG (Vojta und Zukunft-Huber).

Bei der letzten Kontrolluntersuchung wurde eine Einschränkung der Dorsalflexion festgestellt. Therapievorschlag: Verbesserung des unteren Sprunggelenkes durch 6 Wochen Gips nach Ponseti.Macht es Sinn bei einem 8-jährigen Junge noch nach der Ponseti-Methode zu arbeiten ? Gibt es Erfahrungen bei älteren Kindern ?

 

Antwort:

Die Beantwortung dieser Frage ist schwierig, da eine eingeschränkte Dorsalflexion viele Ursachen haben kann. Zeigt das Röntgenbild eine normale Anatomie im Rückfuß, kann es einfach nur eine zu kurze Achillessehne sein. Ist jedoch der Rückfuß durch die OP nicht ausreichend korrigiert worden muss dieses angegangen werden.

Die Ponseti Methode ist bei 8 Jährigen bereits erfolgreich getestet worden. Es muss jedoch zunächst entschieden werden, ob die vorhandene Dorsalflexion nicht ausreicht und in wie weit sie die Funktion des Gelenkes als solches einschränkt. Eine Dorsalflexion von 15 bis 20 Grad kann völlig ausreichend sein und muss nicht zwingend behandelt werden.

Allgemein lässt sich sagen, dass die Ponseti Methode auch bei älteren Kindern zur Verbesserung der Deformität führt. Die Indikation zur Therapie muss aber (wie bei allen Kindern) die korrekte sein.


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18.März 2007

Kind, 7 Monate; Behandlung nach Ponseti, ca.8 Gipse seit dem zweiten Lebenstag, danach AS-Verlängerung, nochmal 3 Wochen Gips, dann Alfa-Flex-Schiene. Seit zwei Monaten trägt er die AFS nur noch zum Schlafen (tags wie nachts). 1x wöchentlich KG "zur allgemeinen Begleitung"

Unser Sohn hat li. den KF und re. hatte er einen Sichelfuß, der mit 3 Gipsen behandelt wurde. Er ist noch jung und ich weiß, ich sollte mir nicht so viele Sorgen machen. Aber trotzdem würde ich gerne wissen, in welchen Ausmaßen Sport mit KF möglich ist? Der Fuß sieht sehr gut aus und ist auch sehr beweglich, wenn auch wesentlich kleiner als der andere. Marathon wird er sicherlich nie laufen können, aber wie sieht es mit Schwimmen aus? Fahrrad fahren? Ab wann merke ich, es ist zuviel? Kann eine Überbelastung als Jugendlicher, Probleme im Erwachsenenalter zur Folge haben? Wenn Schmerzen da sind, ist es doch sicher schon zu spät...

Gibt es überhaupt (Leistungs-)Sportler mit Klumpfuß? Nicht, dass ich aus ihm einen Hochleistungssportler machen will (Gott bewahre), aber der Vater ist sehr sportlich und wenn der Kleine mitmachen will, darf ich das überhaupt zulassen?

 

Antwort:

Die Funktion eines behandelten Klumpfußes ist in der Regel sehr gut. Dies gilt insbesondere für konservativ behandelte Füße. Die häufig zitierte Veröffentlichung aus Iowa von Cooper und Dietz zeigt, dass nach 35 Jahren Klumpfußpatienten nicht wesentlich mehr Probleme haben als fußgesunde gleichen Alters.

Sportler kenne ich nur Troy Aikman, American Football Spieler (Dallas Cowboys) mit Ponseti behandelt. Kristi Yamaguchi, Olympic Goldmedal in Fiugure skating in 1992, nach Ponseti behandelt.

Hier der link: http://www.clubfeet.net/celebs.php


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19.Februar2007

Kind , 8, fast 9 Jahre, wurde im Schneidersitz geboren, Redressionsgipse direkt nach Geburt, OP mit 3 Monaten, AS-Verlängerung und Gelenkkapselöffnung bds., danach ca. 2 Monate Gips, anschließend Schienen und Antivarusschuhe. KG nach Vojta. Jetzt Einlagen.

Unser Sohn fühlt selber keinerlei Beeinträchtigung durch die Klumpfüße. Er spielt aktiv Fußball, schwimmt und reitet.

Der rechte Fuß sieht aus wie ein normaler Fuß und zeigt keinerlei Beschwerden und Einschränkungen. Der linke Fuß ist gut 1,5 cm kürzer, das Bein ebenfalls. Der linke Fuß kommt im Sprunggelenk knapp auf 90° und die Plantaraponeurose ist verkürzt (der große Fußzeh links ist deutlich nach innen gezogen). Ein weiterer Effekt der verkürzten Plantaraponeurose ist, dass sich der Vorfuß nicht strecken kann und nach unten gezogen ist. Im Röntgenbild zeigt sich das dadurch, dass das Kahnbein statt eines eher viereckigen einen dreieckigen Querschnitt hat. Auch ist der Fuß höher aufgewölbt. Wenn unser Sohn läuft, belastet er den linken Fuß auf dem Außenrand.

Der behandelnde Arzt schlug eine große Operation vor, mit dem Öffnen sämtlicher Gelenkkapseln und Verlängern der Sehnen, außer der AS, um dem Fuß Platz zu schaffen, damit er sich strecken kann.Ist so eine große OP jetzt schon sinnvoll? Was kann man noch mit KG erreichen, der Fuß wird dabei doch noch flexibler. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Fuß wieder zurückbildet (Rezidiv)? Wie groß ist die Gefahr, dass er Schmerzen im Fuß zurückbehält aufgrund der OP? Wie groß ist die Gefahr einer Verschlechterung, Verletzung der Nerven im Fuß?

Wäre eine OP sinnvoll, um frühzeitiger Arthrose vorzubeugen? Wäre es nicht vielleicht eine gute Idee, einfach nur die Plantaraponeurose leicht zu verlängern, um dem Fuß Platz zum Wachsen zu geben?

 

Antwort:

Ich werde versuchen die Fragen alle zu beantworten. Zunächst halte ich es für nicht ausreichend bei einem 8 Jahre alten Kind eine Korrektur durch „ Weichteiloperationen“ an Sehnen, Faszien und Kapseln durchzuführen. Ein erneutes Entflechtung ist nicht ausreichend. Wie sie selbst auf dem Röntgenbild beobachten konnten, ist das Navikulare dreieckig geformt. Ein remodellieren des Knochens wird nicht stattfinden und ein Lösen der Gelenke bewirkt letztlich nur erneute und vermehrte Narbenbildung und geringere Beweglichkeit in den entsprechenden Gelenken. Somit ist die Durchtrennung der Plantarfaszie allein sicher nicht ausreichend. Sicherlich kann diese zusätzliche bei der operativen Behandlung des vorhandenen Hohlfußes durchtrennt werden, dies allein wird jedoch keine Korrektur erbringen.

Osteotomien, also knöcherne Operationen im Mittelfuß, können hingegen den Hohlfuß gut korrigieren. Sehr häufig wird dadurch auch die Dorsalflexion verbessert, da die Ursache des Spitzfußes in diesen Fällen nicht selten im Mittelfuß und nicht im Rückfuß zu finden ist. Dies lässt sich gut anhand der Röntgenbilder beurteilen.Sicher haben operative Eingriffe Risiken. Es ist daher wichtig , dass diese Operation von einem Orthopäden mit Erfahrung in der Kinder- Fußchirurgie durchgeführt wird. Beweglicher wird der Fuß durch eine Operation in der Regel nicht, oder nur wenig. Der Zeitpunkt für eine Operation ist mit 8 Jahren nicht schlecht. Ein Rezidiv nach dem 8 Lebensjahr ist eher selten und bei einem idiopathischen Klumpfuss eher unwahrscheinlich.

Zusammenfassend würde ich eher eine „ knöcherne“ Operation empfehlen und keine Sehnenverlängerung und Kapselöffnung durchführen, da ich mir von einer knöchernen Korrektur ein besseres Ergebnis erhoffe. Die kann unter Umständen mehrere Knochen betreffen. Der Zeitpunkt für die Operation ist gut.


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06. Februar 2007

Tochter, 5 Wochen alt; Krankengymnastik

Meine Tochter wurde als Frühgeburt in der 31. SSW geboren und liegt zur Zeit noch auf der Frühgeborenenintensiv. Sie hat wohl einen Klumpfuß links. Laut krankenhausangehöriger Orthopädin 3. Grades für 2. wäre er zu schlecht. Aber der 3. Grad soll auch nicht ganz arg schlecht sein. Sie bezog sich in ihrer Aussage auf die Physiotherapeutin, welche sagt, dass die Dehnung nach dem Wochenende immer wieder schlechter ist und auch seit meine Tochter beweglicher ist und mehr strampelt wäre der Fuß wieder angespannter.

Meine Tochter sei noch zu klein um sie jetzt schon mit Gipsschienen zu behandeln. Ist das richtig?

 

Antwort:

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihres Kindes. Der Schweregrad des KF ist eigentlich nicht so wichtig, da fast alle Füße gut mit den gegenwärtigen Methoden behandelt werden können, auch die stärker betroffenen. In der Tat kann es bei Frühchen manchmal sinnvoll sein, den Fuß erst nach einigen Wochen mit den Gipsredressionen zu behandeln. Da der Fuß in der Regel nach 6 bis 8 Wochen korrigiert ist, findet sich bei den ganz Kleinen kein Schuh der ja für die Weiterbehandlung in der Schiene notwendig ist. Sie können also ruhig noch einige Wochen mit der Behandlung warten. In der Zwischenzeit ist es sicher kein Fehler die Krankengymnastik fortzusetzen um den Fuß schön weich zu halten.


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30. Januar 2007

Kind , 11 Monate; Sichelfuß / Gips / KG / Plattfuß? oder Klumpfuß?

Bei meiner Tochter wurde mit 8 Wochen rechts ein Sichelfuß und links eine Sichelfußhaltung diagnostiziert. Der rechte Fuß wurde für ca. 1 Woche gegipst, danach haben wir fleißig KG gemacht (Redressionsübungen). Die Füße schienen soweit in Ordnung, es gab keine weiteren Behandlungen. Nun beginnt meine Tochter seit kurzem sich hochzuziehen und irgendwie steht sie quasi innen "neben" ihrem Fuß. Die Ärztin in der Uni-Klinik bei der ich heute war, will noch mal 8 Wochen warten, dann röntgen und ggf. muss meine Tochter dann "wie beim Klumpfuß" operiert werden oder aber Orthesen bekommen. Mit diesen wenigen Worten wurde ich verabschiedet. Hat meine Tochter nun doch einen Klumpfuß, der von Anfang an anders hätte behandelt werden müssen? Oder hat sie einen angeborenen Plattfuß? Was für OP-Methoden gibt es?

 

Antwort:

Um herauszufinden, ob ihr Kind einen Klumpfuss hat, genügt das klinische Bild. Falls dies dem unerfahrenen Arzt nicht genügt , kann man mit einem Röntgenbild vom Fuß den Verdacht bestätigen. Für das Röntgenbild muss nicht gewartet werden. Im Gegenteil, es sollte jetzt gemacht werden. Liegt ein Klumpfuß vor, so muss man ihn mit Gipsen behandeln. Eine Operation ist nicht notwendig. Dies ist inzwischen internationaler Standard.


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