Orthopädische Gemeinschaftspraxis in Wuppertal
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Link: ogam.org
30. August 2007
Können Sie mir ein "Bild" geben, wie ich mir die gestörten Strukturen in einem Klumpfuß vorstellen kann? Bei einer OP wird immer von einer Entflechtung geschrieben, aber wie sieht denn eine Kapsel oder ein Band... eines KF im Vergleich zu einer gesunden Kapsel, Band etc. aus? Wenn ich mir ein Band eines gesunden Menschen anschaue, dann sind die Fasern alle in eine Richtung ausgelegt. Ist es bei einem KF-Band nur kurz und dadurch "hochgezwirbelt" oder wie könnte ich es mir vorstellen? Was genau heißt diese Entflechtung? Wird da nur durchtrennt oder angeschnitten, um mehr Länge zu gewinnen, oder...? Entflechten hört sich nach einem ziemlichen Durcheinander an(-:
Antwort:
Beim Klumpfuß liegt im Wesentlichen eine Fehlpositionierung der einzelnen Knochen zueinander vor. Dieses betrifft verschiedene Anteile des Fußes, aber hauptsächlich liegt die Fehlstellung im unteren Sprunggelenk (wir nennen dies das Subtalargelenk, also das Gelenk unter dem Talus =Sprungbein). Die Ursache der Entstehung eines Klumpfußes ist bisher immer noch nicht abschließend geklärt! Wir sprechen von einem multifaktoriellen Geschehen, wissen es aber nicht ganz genau. Aus Operationen und auch aus histologischen Untersuchungen (Untersuchungen unter dem Mikroskop) wissen wir, dass Strukturen im inneren Fußbereich Veränderung zeigen. Sie sind sowohl verkürzt, aber auch histologisch verändert. Dies gilt auch für die Muskulatur des Unterschenkels (Wadenverschmächtigung). Unter einer sog. "Entflechtung" bei einer OP versteht der operativ Tätige, dass die Gelenke entflochten werden, dafür müssen Gelenkkapsel, bestimmte Bänder durchtrennt werden und auch Sehnen verlängernd operiert werden. Erst nachdem diese Strukturen operiert worden sind (und es handelt sich hier durchaus um eine ausgedehnte OP), lassen sich die Gelenke in Ihre anatomisch korrekte Stellung bringen. Bei der konservativen Redressionsbehandlung werden diese Strukturen durch Redression also durch Dehnung ebenfalls verlängert. Wenn jemand viele Klumpfüße operiert hat und die massiv verkürzten Strukturen gesehen hat, kann man sich ehrlich gesagt manchmal nicht recht vorstellen, warum es mit der konservativen Behandlung überhaupt geht! Fakt ist jedoch, dass z.B. im Rahmen des Ponseti Konzeptes dieses durch die Redression in die Überkorrektur, aber auch durch die entsprechende Weiterbehandlung durch die Orthese gut erreicht werden kann.
19. August 2007
Seit einigen Wochen verbreitet sich im Rahmen der Ponseti vs. OP Diskussion das Gerücht, dass die nach Ponseti behandelten KF in späteren Jahren (ca. ab dem 20. Lebensjahr) zu Arthrose neigen und wohl auch schon solche Fälle beobachtet wurden. Begründet wurde dies darin, dass durch die Ponsetibehandlung die Fehlstellung nur unvollständig korrigiert werde, bei einem gleichzeitig funktionell gutem Ergebnis.
Ich bitte Sie um Ihre Einschätzung zu diesem Thema.
Antwort:
Meines Wissens gibt es keine gesicherten wissenschaftlichen Daten, die eine solche Vermutung belegen könnten. Es gibt durchaus Langzeitstudien aus Iowa von Herrn Ponseti und in der Zwischenzeit auch von anderen Autoren, die ein gutes langfristiges Ergebnis nach Ponseti zeigen.
Das Problem der späteren Arthrosen gerade im Rückfußbereich ist ein bekanntes (unabhängig von Ponseti) und sicher ein schwerwiegendes Problem, falls dieses Eintritt, da dann operative Versteifungsoperationen in aller Regel die Folge sind. Ein Problem der Klumpfußoperation ist insb. die Dosierung der Korrektur mit der Möglichkeit sowohl einer Unter- als auch einer Überkorrektur. Auch das operative Trauma und die verminderte Beweglichkeit (Steifheit nach operativen Maßnahmen) sind sicher Faktoren, die mit einer Arthrose einhergegen können. Warum nun die Ponseti Methode zu mehr Arthrosen führen soll, wird mir nicht ganz klar. Ob es im Vgl. zwischen Ponseti vs. OP mehr Arthrosen sind, müssten entsprechende Studien zeigen. Alles andere sind Vermutungen und Mutmaßungen und die Argumente werden offenbar gerade so gewählt, wie sie gerade gebraucht werden (Ponseti Behandler vs. Ponseti Gegner).
Einzelfälle werden hier nicht zu einer wissenschaftlich fundierten Aussage führen. Langzeitvergleichsstudien sind aber schwierig.
20. März 2007
6,5 Monate alte Tochter; Klumpfuß rechts. Erster Gips mit 3 Wochen. Am 12.1 OP ATT, und FE danach wieder Gips bis 12.3., seitdem mit Imhäuserschiene versorgt und 4-5x tgl krankengymnastische Übungen.
Das Bein meiner Tochter ist immer sehr geschwollen. Obwohl ich das Bein so viel wie möglich hochlagere.
Welche Alternativen gibt es zur Imhäuserschiene?
Meine KG hat mir geraten mir noch eine zweite Meinung einzuholen da sie der Meinung ist, daß mein Kind mit der Schiene nicht optimal versorgt ist.
Antwort:
Es stellt sich die Frage, welches Therapiekonzept man für die Behandlung des Klumpfußes verfolgt! Wir favorisieren das Ponseti Konzept, welches, wie Sie möglicherweise wissen mit einer besonderen Redressionstechnik und wöchentlichen Gipswechseln einhergeht. Es werden durchschnittlich 6-7 Gipskorrekturen benötigt. In den meisten Fällen schließt sich eine percutane Achillessehnentenotomie an. Danach erhält das Kind einen Gips für 3 Wochen und im Anschluß eine unmittelbare Versorgung mit einer Alfaflex Schiene (hier werden beide Füße in einer bestimmten Abduktion gehalten, siehe Bilder auf Internetplattform). Diese Schiene wird konsequent für 3 Monate Tag und Nacht getragen, anschließend zu den Schlafenszeiten für mind. 3 Jahre. Diese Schiene ist ein wesentlicher Teil des Ponseti Konzeptes, auf den nicht verzichtet werden kann.
Bei Ihrer Tochter ist offenbar ein anderes Konzept verfolgt worden (Technik nach Imhäuser?). Warum nun eine anhaltende Schwellneigung persistiert, läßt sich ohne klinische Untersuchung nicht feststellen. Besteht eine zufriedenstellende Korrektur? Paßt die Schiene? All diese Fragen lassen sich nur durch eine klinische Untersuchung klären. Haben Sie diese Probleme mit Ihren behandelnden Ärzten besprochen?
3. Mai 2006
Frau, 22 Jahre alt; Sprunggelenkversteifung, Sehnenverlängerung, Korrektur von Knochenfehlstellungen, über 6 OPs Meine Freundin hat seit der Geburt sehr stark ausgeprägte Klumpfüße. Sie klagt über permanente starke Schmerzen. Wir würden gerne etwas gegen diesen Dauerschmerz unternehmen. Sie hat schon Akupunktur versucht, was ihr sehr gut getahen hat, doch auch die Kosten werden mittlerweile nicht mehr von der Krankenkasse übernommen... Können Sie vielleicht weitere Behandlungesmethoden gegen solche Schmerzen empfehlen? In wie fern darf die Krankenkasse die Zahlung verweigern, wenn Dauerschmerzen vorhanden sind und die Akkupunktur schon deutliche Schmerzlinderung gezeigt hat?
Antwort:
Offenbar sind bereits mehrere operative Verfahren durchgeführt worden um eine Fußkorrektur zu erzielen. Ohne jetzt genau die medizinischen Fakten zu kennen ist es schwierig eine konkrete Hilfestellung zu geben. Zunächst muss man sich die Schmerzursache anschauen. Handelt es sich um eine verbliebene Fehlstellung, die zu einer Überlastung führen kann? Haben bestimmte Gelenke vorzeitigen Verschleiß (Arthrose?)? Erst nach entsprechender Diagnostik, die eine gezielte Untersuchung, möglicherweise Röntgenaufnahmen unter Belastung, kann man eine Therapieempfehlung geben.
Allgemein bleiben hier folgende Möglichkeiten:
1. Einlagen und Schuhzurichtungen (haben den Sinn, die Belastung des Fußes an bestimmten Stellen zu reduzieren), Fehlstellungen können so möglicherweise im Schuh oder durch die Einlage korregiert werden. Es kann vielleicht so eine Verbesserung des Gangbildes erreicht werden. (Welches Sprunggelenk ist den versteift???)
2. Physikalische Therapie (Reduktion der Beschwerden unter Verwendung von natürlichen oder technisch-erzeugten Energieformen (Strom, Ultraschall u.s.w.)
3. Medikamentöse Therapie (Schmerz- und antientzündliche Medikamente)
4. Falls notwendig operative Eingriffe.
Die Akupunktur war gerade sehr aktuell in den Medien. Vom Bundesauschuss wurde bestimmt, dass Kassen in Zukunft für Akupunktur bezahlen, aber nur bei Knie- und Rückenleiden, nicht bei anderen Schmerzformen. D.h. selbst wenn Ihre Freundin schon mal Akupunktur bekommen hat und diese ihre Beschwerden gebessert hat, ist die Krankenkasse nicht verpflichtet die weiteren Kosten zu übernehmen.







