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Fragen und Antworten - Dr. med. Robert Krause

Chefarzt der Abteilung Extremitätenchirurgie/Allgemeine Orthopädie in der Oberlinklinik in Potsdam; beantwortet gemeinsam mit Frau Dr. U. Demuth die Anfragen.


12. August 2007

3,5 Jahre alte Tochter; Erst konventionell, kurz vor OP dann nach Ponseti

Mich beschäftigen so einige Frage zum Thema KF.

1) Zu dem Bild des KF gehören ja wohl häufig auch deformierte Fußwurzelknochen. Nach der manuellen Redression oder auch OP, in der die Fehlstellung zueinander behoben wird, besteht denn da die Möglichkeit, dass z.B. ein deformierter Talus, sich zu einem normalen Talus entwickelt? Oder ist in diesen Knochen die " Erbinformation" gestört, so dass er sich weiterhin fehlentwickelt?

2) Bei der Palpation der Fußknochen müßte es einem erfahrenem Arzt auffallen, wenn es z.B. zusammengewachsenen Knochen gibt?

3) Wissen Sie, warum viele der Ponseti Kinder so stark mit den Zehen krallen, ohne dass der Grund dafür in verkürzte Muskulatur liegt?

 

Antwort:

Das sind ja viele Fragen und gar nicht so leicht zu beantworten. Ich will es mal versuchen:

Eine der ungeklärten Fragen ist ja die der primären krankhaften Veränderungen beim angeborenen Klumpfuß : Vieles spricht für eine ätiologisch noch ungeklärte Kontraktur der Weichtteile auf der Innenseite des Fußes. Die Veränderungen an den Fußknochen wären dann sekundärer Natur. Histologisch sind Veränderungen der Weichteile, aber auch der Knochen und des Knorpels bekannt. Eine "knöcherne Erbkrankheit" ist aber der Klumpfuß mit Sicherheit nicht.

Knöcherne Veränderungen zu palpieren ist bei einem ja oft schon durch die Weichteile kontrakten Säuglingsfuß auch vom erfahrenen Untersucher schwierig. Letztlich merkt man das immer erst im Verlauf- geröntgt wird frühestens mit 1/4 Jahr, Fußwurzelknochen sind da aber zum großen Teil auch noch nicht mal sichtbar.

Das Fußskelett entwickelt sich ja bis zum Erwachsenen und formt sich aus. Insofern sind auch die Knorplig- knöchernen Veränderungen noch umformbar, ja reversibel. Daher legt man in der Therapie auch auf den frühen und konsequenten Einsatz So viel Wert. Das Potential dazu ist natürlich beim jüngeren, erst recht beim Säugling, am höchsten.

Nun zu der Zehenstellung: leider ist diese eben doch die Folge von Sehnenverkürzung der Beugesehne der langen Zehenbeuger. Diese ist nicht unbedingt primär beim Klumpfuß betroffen, durch Therapie verlängert sich aber der Fuß (was wir ja erreichen wollen) und die Sehnenlänge erreicht nun ihre Grenze. Der Fuß kann dann schon prima stehen und nicht mehr kontrakt sein.


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22. Juni 2007

Mann, 23 Jahre alt, Klumpfüße beidseitig, keine Operation, Krankengymnastik, im April 2007 Gespräch mit Dr. Krause bzgl. eventueller OP, Dr. Krause riet hiervon ab.

Letzten Montag habe ich mir beim Sport die Außenbänder gerissen. Das Sprunggelenk sieht auf der Röntgenaufnahme etwas schief aus, wobei der behandelnde Arzt unsicher ist, ob dies nicht auch an meinen Klumpfüßen liegen könne und insofern "normal" sei. Z.Z. ist der Fuß daher gegipst.

Meine Frage: Gibt es klumpfußbedingte Besonderheiten, auf die bei der Behandlung meines Außenbandrisses geachtet werden muss?

 

Antwort:

Natürlich kann ein Klumpfuß, auch ein gut behandelter Klumpfuß, noch zT. versteckte Besonderheiten aufweisen. Eine dieser Besonderheiten ist manchmal auch eine veränderte Form des Sprunggelenkes nach Wachstumsabschluß.

Ein Außenbandriß ist ja eine häufige Sportverletzung- leider. Beim Klumpfuß ist hier insbesondere darauf zu achten, daß nicht eine "versteckte Besonderheit" zu einer erhöhten Gefährdung für eine Außenbandverletzung führt. Dies gilt es vor der Aufnahme einer sportlichen Belastung nach der Ausheilung der jetzige Verletzung nochmals zu überprüfen.


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3. März 2007

Sohn, 7 Jahre alt; 1. OP 8.Monat, Korrektur des Fußes li, 2. OP 5 Jahre Sehnenverlagerung, AV-Schuhe, 3-Backeneinlagen, Schuhgr. 30li, 33re; Neu Höhenausgleich li 7 mm

Was für eine Sportart kann mein Sohn machen, im Moment macht er Judo, möchte aber gerne Fußball spielen.

 

Antwort:

Bei gut korrigiertem Fuß darf Ihr Sohn Sport machen, optimal wären natürlich gelenkschonende Sportarten, wie z.B. Radfahren, Reiten, Schwimmen, aber welchem Jungen kann man schon Fußballspielen verbieten? Jedenfalls sollte er nicht zu sehr leistungsorientiert spielen. Achten Sie auf geeignete Sportschuhe! Sprechen Sie nochmals mit Ihrem Kinderorthopäden über den Korrektur-Zustand des Fußes und die Form des Sprungbeines. Anhand der Fußstellung kann man besser beurteilen, inwieweit der Fuß belastbar ist. Wenn Schmerzen auftreten, sollte der Sport pausiert werden.


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16. Februar 2007

Tocher, 5 Monate alt; einseitiger Klumpfuß, redressierende Gipse seit dem zweiten Lebenstag. Der Fuß schien sich zunächst konservativ gut zu stellen, leider kam die Ferse aber nicht richtig nach unten. Ende 4.Lebensmonat dorsales Entflechtung. Danach auch röntgenologisch gute Stellung des Fußes. Nach 6 Wochen postoperativem Gips jetzt Versorgung mit seitlicher Oberschenkel-Nachtlagerungsschiene für möglichst 24 Stunden am Tag.

Gibt es bekannte Unterschiede im Outcome bezüglich einer seitlichen oder einer dorsalen Schiene?? Ist es bei gutem Ergebnis nach Op ihrer Meinung nach möglich schnell auf eine Unterschenkelschiene zu wechseln und wenn ja wann? Ab wann kann die tägliche Tragezeit der Schiene verkürzt werden und auf wie lange.

 

Antwort:

Oberschenkellagerungsschienen sind aufgrund der so regulierbaren Entspannung der Wadenmuskulatur und Rotationssicherung zumindest primär postoperativ besser als Unteschenkellagerungsschienen zur Rezidivprophylaxe geeignet. Die Details des Übergangszeitpunktes auf die kürzere Schiene sollten mit dem Operateur abgesprochen werden, da er Jannes Füßchen am besten kennt. Grundsätzlich besteht auch nach Operation eine Rezidivmöglichkeit- so ca. bis zum 5. Lebensjahr. Deshalb sind doch engmaschige Kontrollen notwendig. In diesem Zusammenhang sollte auch die Effizienz der angewendeten Schienen geprüft werden. Im Allgemeinen sollte die Schiene postoperativ ca. ein Vierteljahr ganztags, dann nur noch nachts angelegt werden.


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25. Januar 2007

Noch ungeboren, 16.-17.ssw, Feindiagnostik, Amniozentese Bei der heutigen Feindiagnostik und Amniozentese wurde eine beidseitige Equinovarusstellung der Füße festgestellt. Können Sie mir hierzu Literaturhinweise, oder noch besser persönliche Hinweise geben zu Therapie und Verlauf geben? Inwieweit ist dies auch Anzeichen für weitere Schädigungen des Embryos?

 

Antwort:

In der Feindiagnostik kann eine Equinovarusstellung erkannt werden, abh. von der Schwangerschaftswoche halten alle Babies Ihre Füße entwicklungsbedingt eine zeitlang so. Diese Stellung bedeutet aber nicht, dass ein schwerer Klumpfuß vorliegen muß, es könnte sich auch um eine sog. Klumpfußhaltung oder eben die og. Entwicklungsstufe handeln. Wenn es sich um einen richtigen Klumpfuß handelt, sollte die Therapie bald nach Geburt beginnen. Wir empfehlen aufgrund der guten Langzeitergebnisse die Ponseti-Therapie, d.h. eine Serie von die Fußstellung korrigierenden Gipsen (ca. 6 in wöchentlichen Abständen) einen kleinen operativen Eingriff (percutan) und die längerfristige Anlage einer Fußabduktionsschiene bis zum 4.Lebensjahr. Klumpfüße kommen in Kombination mit anderen Erkrankungen vor, bedingen diese aber nicht. Weitere Informationen und Links finden Sie auf der website www.klumpfuss-info.de über Ponseti-Therapie unter www.global-health.org


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