Mann, 28 Jahre alt; mehrere Operationen, u.A. Achillesehnenverlängerung Durch die vielen bei mir durchgeführten Operationen und den darauffolgenden Gips ist meine Wadenmuskulatur nahezu nicht vorhanden. Ist es möglich diese noch aufzubauen, auch im Hinblick auf durchführbare Schönheitsoperationen?
Antwort:
Wenn Sie ursprünglich Klumpfüße haben, ist die Wadenmuskulatur in ihrer Struktur so verändert, dass die typische "Klumpfußwade" entsteht. Bei manchen Patienten ist sie stärker, bei manchen schwächer ausgeprägt. Da wie gesagt die Muskelstruktur verändert ist, ist eine Massenzunahme durch kräftigendes Training fraglich. Ob optische Beeinträchtigungen durch Schönheitsoperationen verbessert werden können sollte von den entsprechenden Fachkollegen beurteilt werden.
3. Mai 2006
Frau, 22 Jahre alt; Sprunggelenkversteifung, Sehnenverlängerung, Korrektur von Knochenfehlstellungen, ... (über 6 OPs)
Meine Freundin hat seit der Geburt an sehr stark ausgeprägte Klumpfüße. Sie klagt über permanente starke Schmerzen. Wir würden gerne etwas gegen diesen Dauerschmerz unternehmen. Sie hat schon Akupunktur versucht, was ihr sehr gut getan hat, doch auch die Kosten werden mittlerweile nicht mehr von der Krankenkasse übernommen... Können Sie vielleicht weitere Behandlungesmethoden gegen solche Schmerzen empfehlen? In wie fern darf die Krankenkasse die Zahlung verweigern wenn Dauerschmerzen vorhanden sind und die Akupunktur schon deutliche Schmerzlinderung gezeigt hat?
Antwort:
Die Füße Ihrer Freundin sind aus der Ferne nur schwer zu beurteilen. Es ist richtig, bei Bedarf Schmerztherapie (wie z.B. auch Akupunktur) durchzuführen. Wir empfehlen aber auch die Vorstellung beim Orthopäden zur genauen Untersuchung (ggf. Röntgen) der Füße, es könnte doch sein, daß es eine lokalisierbare Schmerzursache, die auch gezielt therapiert werden kann, gibt! Wichtig ist auch die Überprüfung des Schuhwerks.
12. April 2006
Sohn, 5 Jahre alt; Operation Dysmelie an der rechten Hand (betroffen Ring und kleiner Finger, rechter großer Fußzeh), Gips und Schienenbehandlung von Klumpfüßen beidseitig, Kontrolle endokrinologische Ambulanz Heidelberg.
Mein Sohn leidet an Klumpfüßen und hat Dysmelie an der rechten Hand und am rechten großen Fußzeh. Desweiteren besteht ein Verdacht auf Minderwuchs. Hormonell ist alles in Ordnung. Gibt es ein Krankheitsbild, dass diese drei Komponenten mit einschließt? Welchen Verlauf hat dieses Krankheitsbild? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder mit Klumpfüßen und Dysmelie kleinwüchsig sind? Welche Einschränkungen haben Erwachsene mit gut therapierten Klumpfüßen?
Antwort:
Dysmelien können sich ganz verschieden darstellen, wie bei Ihrem Sohn gibt es auch die Kombination mit Klumpfüßen. Mir ist ein entsprechendes Syndrom aber nicht bekannt. In unserer Behandlung befindet sich zur Zeit auch ein Kind, das Polydaktylie links an Hand und Fuß und einen Klumpfuß links hat(te). Das Kind ist jetzt fast ein Jahr alt und die Prognose für die weitere Entwicklung des Füßchens würde ich wie bei den anderen Ponseti-behandelten Füßen einschätzen - wenn sich von Seiten der Polydaktylie/Dysmelie keine Komplikation ergibt. Erwachsene mit gut (Ponseti)therapierten Klumpfüßen sollen gut und schmerzfrei ohne Hilfsmittel laufen können!
8. März 2006
Tochter, 17 Monate alt; Talus vertikalis wurde jetzt festgestellt. Vorgeschichte: 1. Bei Geburt überstrecktes linkes Knie = Wurde 7 Tage mit Gipsschiene fixiert. 2.Hüftdysplasie (links schlimmer als rechts) = ersten 3 Monate Bernauschiene = ausgeheilt Meine Tochter läuft bisher nur an der Hand und steht nur mit festhalten. Deshalb wurde der Talus vertikalis erst jetzt (bei Belastung) festgestellt. Im Liegen sieht der Fuß völlig normal aus. Die Fehlstellung ist links wesentlich stärker. Manchmal steht sie jedoch "normal" und dann sieht es wieder aus, als ob die Beinknochen neben die Fußknochen nach innen "rutschen".
Muß hier auf jeden Fall operiert werden? Und wann? Möglichst bald? Oder sollte sie erst laufen können, um Ihre Entwicklung nicht zu unterbrechen? Sie ist auch erst mit 1 Jahr gekrabbelt.
Bisher sind alle Orthopäden bei dehnen ich war "überfragt".
Antwort:
Ohne Ihre Tochter zu kennen und untersucht zu haben, ist das sehr schwer zu beantworten. Prinzipiell kann man auch jetzt noch versuchen mit redressierenden Gehgipsen eine Stellungskorrektur zu erreichen und diese dann mit Schienchen nach Maß zu halten. Ebenso spielen krankengymnastische Beübungen in Korrekturrichtung eine wichtige Rolle. Natürlich dreht man damit den Talus nicht richtig herum, aber die Fußstatik wird verbessert. Wenn Ihre Tochter jetzt laufen will, wird sie im Falle einer operativen Korrektur natürlich wieder in ihrer Lauf-Entwicklung zurückgeworfen. Die Notwendigkeit der operativen Korrektur ergibt sich aus dem klinischen Bild (Schweregrad der Fehlstellung) und der Therapieresistenz. Wenn beides für eine Operation spricht, ist eigentlich weiteres Abwarten nicht sinnvoll, da das Kind dann nach einer operativen Therapie gleich "richtig" laufen lernt und dieses nicht erst wieder neu "umlernen" muß. Sicher gibt es ein Röntgenbild von ihrem Fuß. Anhand dessen und der klinischen Untersuchung kann man am besten die weiteren Therapieschritte planen.
6. Februar 2006
Ich habe noch eine Frage, die die KF-Wade betrifft. Was ist an der Struktur der Fußsenker verändert, dass eine KF Wade eine KF Wade bleibt? Sprich, dass es scheinbar nicht möglich ist, wie bei gesunden Menschen, die Muskeln entsprechend zu trainieren, um somit ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Oder nur in sehr geringem Maße? Ist auch in ihnen diese vermehrte Kollagensynthese zu finden? Oder nur in einem von ihnen? Und was ist dann in diesem Fall mit den Antagonisten?
Und da sie alle sozusagen für das Wohlergehen des Fußes zuständig sind, also für eine ausreichende Stabilität etc. sorgen, muss ich dann schon im Vorwege dafür Sorge tragen, dass mein Kind eben nicht am Fußballtraining oder am Ballettunterricht teilnimmt, auch wenn dieses vorerst ohne Probleme möglich scheint .Denn dann wäre eine vorzeitige Arthrose ja schon vorprogrammiert? Bzw. gibt mir ein Kind an, wann die Belastung zu groß ist?
So viele fragen (-:
Antwort:
Die Ätiologie der Klumpfüßchen ist noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt verschiedene Hypothesen. Belegt ist, daß beim Klumpfuß fibro-myo-neurogene Weichteilkontrakturen auftreten, die sekundär zu knöchernen Veränderungen führen können.
Die Kontrakturen treten besonders im posteromedialen Fußbereich (innerer Fußrand) auf, im Bereich des Gelenkes zw. Kahn- und Sprungbein. Davon sind Muskeln, Muskelhüllen, Sehnenscheiden, Bänder betroffen. Die dort vorhandenen Zellen (Myofibroblasten) stellen mehr Kollagen Typ III her (wie bei der Fibromatose).
Die Dehnbarkeit der Wadenmuskeln (M.triceps surae u. M. tibialis posterior) ist reduziert. Hier ist die Anzahl der Muskelfasern sowie der Anteil der Typ I-Fasern reduziert, dafür gibt es mehr Typ II-Fasern, die mit für die Kontraktur verantwortlich sind.
Zusätzlich schafft die Einwärtsdrehung des Fußes günstigere Hebelverhälnisse für Agonisten (in dem Fall Muskeln, die einwärts drehen). Es wurden auch akzessorische (=zusätzliche)Muskeln gefunden, die die Einwärtsdrehung verstärken.
Schlußfolgernd sollten Klumpfüße "normal" belastet werden, ggf. krankengymnastisch in die Korrekturrichtung (zur Stärkung der Antagonisten) beübt werden. Folgeschäden durch Überbelastung sind nicht voraussehbar und die Fehlbelastung durch die Kinder oft nicht einzuschätzen. Behandlungsziel ist die funktionelle und schmerzfreie Bewegungsfähigkeit des Fußes im Alltag. Die Arthrose ist nicht vorprogrammiert, das Risiko scheint erhöht - je nach Korrekturergebnis.
30. November 2005
Tochter, 20 Monate alt; Ponseti bei Dr. Sinclair Meine Frage bezieht sich auf die Angaben über die Schienenbehandlung in Ihrer Klinik. Auf der Homepage heißt es,... tragen sie die beschuhte Schiene nur noch nachts. Das allerdings für 2 Jahre.
Warum nur für 2 Jahre?
Und weiter heißt es...wurde das strenge Schienen-Regime etwas gelockert.
Was kann ich darunter verstehen?
Antwort:
Die Schienenbehandlung nach der Serie der Gipsredressionen dient dem Erhalt der guten Korrekturstellung und somit der Rezidivprophylaxe. Wir empfehlen allen Eltern, die Schiene im Anschluß an die Gipszeit drei Monate möglichst 24 Stunden am Tag anzulegen. Natürlich gibt es individuelle Abweichungen, die aber nur in Kenntnis des Lokalbefundes vereinbart werden können. Danach soll die Schiene "during nights and naps", also während der Schlafzeiten nachts und ggf. beim Mittagsschlaf getragen werden. Unsere Empfehlung hinsichtlich der Gesamttragezeit der Schiene bezieht sich auf das Alter des Kindes bei Erstanlage der Schiene, im allgemeinen sollte die Schienenbehandlung bis zum 3./4. Lebensjahr erfolgen- immer abhängig vom Lokalbefund. D.h. wenn Ihre 20 Monate "alte" Tochter jetzt die Schiene neu bekäme, müsste sie sie 2 Jahre tragen. Unseres Erachtens kann man kein auf jedes Kind passendes Konzept erstellen, weil ja doch jedes Füßchen anders ist. Ponseti hat uns eine gute Leitlinie vorgegeben, die wir hier umsetzen.







