KF-Logo
 
Informationen und Austausch zum Thema Klumpfuß
Du bist hier:> www.klumpfüsse.de> Expertenforum> Antworten> OT Buro> 2006/2005/2004 - OT Buro
10. Mai 2006

Sohn 6 Jahre. Klumpfuss-OP beidseits, tragen mehrer Villinger-Klumpfuss-Stehorthesen, Dreipunkteinlagen, manuelle Redression und Kräftigung der Dorsalflexion und Pronation, KG-Behandlungen, Anfertigung einer Nachtschiene, (geplant war: mediales Entflechtung und Tibialisanterior-Versetzung, ggf. Cuboid-Keilosteomitrie wurde mit mir nie besprochen), Arztwechsel, Weiterbehandlung in Kinderklinik Aschau am Chiemsee bei Fr. Dr. Multerer, seit 1,5 Jahren Unterschenkel-Orthese nach Villinger-Art aber Fersenfixierung in der Nachtschiene, tagsüber Einlagen.

Das Sanitätshaus, dass mit der Kinderklinik in Aschau zusammenarbeitet, hat leider nur die Filialen in Bayern. Kann hier nicht ein Zusammenarbeiten greifen? Meine Sohn stand in Berlin eine weitere OP bevor, aber dank dieser anderen Schiene, braucht er nicht mehr operiert werden. Der Fall ist viel komlexer, als dass ich es hier in kurzen Worten beschreiben könnte. Es liegen fast sechs Jahre Ärzte-Palaber hinter mir und ich konnte eine Menge Erfahrungen sowie auch einer Falschanfertigung einer Villinger-Orthese, die vom Arzt damals abgenommen wurde.

Ich konnte auch von dieser Ponseti-Methode lesen, die ja für meinen Sohn nicht mehr in Frage kommt, aber doch sehr wohl anderen kleinen Patienten. Wie lange gibt es diese Methode schon und wieso hört man darüber so wenig. Wieso werden neue Techniken nicht an andere weitergegeben, schließlich geht es doch um die Kinder und nicht nur ums Geld verdienen.

 

Antwort:

Es ist nicht ganz einfach Ihre Fragen zu beantworten. Verschiedene Umstände können dazu führen, daß Ärzte, Therapeuten und Techniker sich mit ihrer Behandlung nicht immer am aktuellsten internationalen Standard orientieren. Einerseits kann es das Festhalten an (z.Teil auch bewährten)konservativen Methoden sein oder der fehlende Mut bzw. fehlende Erfahrung mit neuen unbekannteren Behandlungsmetoden.

Sicher ist es gar nicht möglich, daß jeder Orthopäde oder Techniker auf jedem Gebiet absolut versiert ist. Viel besser ist es, Behandlungszentren mit hoher spezialisierter Kompetenz zu entwickeln. Einige von diesen gibt es ja bereits. Dort hat man als Betroffener dann die Möglichkeit, sich von erfahrenen Teams behandeln zu lassen. Natürlich müssen Sie dabei eventuell anfallende Reisetätigkeit in Kauf nehmen.

Bei einem Aufkommen von ca. 1-2 Kindern mit angeborenen Klumpfüßchen je 1000 Geburten ist es nicht zu erwarten, daß in jeder mittelgroßen Stadt Deutschlands eben solche erfahrenen Techniker zu finden sind. Erfahrung kann eben nur entstehen, wenn auch eine größere Anzahl (ab etwa 20 pro Jahr) von Versorgungen an einem Ort durchgeführt werden. Vielleicht ist es ja möglich eine Liste der Kranken- bzw. Sanitätshäuser, welche o.g. Bedingungen erfüllen, bei klumpfuss-info zu veröffentlichen.

Warum sich die eigentlich schon alte Methode nach Dr. Ponseti so schleppend in Deutschland verbreitet vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht ist man hierzulande zu misstrauisch oder hat es einfach noch nicht überall verstanden.

Entscheidend für eine moderne und korrekte Versorgung ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Deswegen ist es erlaubt, vom jeweiligen Behandlungteam ehrliche Angaben zu Erfahrung und Methodik zu erfragen, und sich ggf. auch Referenzen zeigen zu lassen.


nach oben


20. Februar 2005

Sohn, 4 Monate alt; Gipsredression für eine Woche bei ausgeprägten Sichelfüßen beidseits. Jetzt Antivarusschuhe der Firma Schein.

Unser Sohn hat beidseits starke Sichelfüße. Von der Orthopädin wurde, als er 3 1/2 Monate alt war, für eine Woche ein Unterschenkelgips angelegt. Nach der Entfernung hatte er an beiden Fersen tiefe Druckulcera. Der rechte Fuß war in der Stellung besser, der linke zeigt immer noch eine deutliche Sichelfußstellung. Er bekam dann AV-Schuhe der Firma Schein in Größe 10 1/2, in denen er jetzt eine Woche nach Gipsentfernung vermutlich wegen der Fersenulcera noch Schmerzen hat. Könnte man bis zur Heilung der tiefen Ulcera mit dem Tragen der Schuhe pausieren und müssen diese Schuhe 24 Stunden tgl. getragen werden?

Sind bei noch Restfehlstellung AV-Schuhe ausreichend zur weiteren Korrektur oder können sie nur das durch den Gips erzielte Ergebnis erhalten?

Wäre eine individuell angepasste Schiene nicht besser und kann diese dann ausreichend sein zur Behandlung? Können Sie mir einen Kinderorthopäden im Raum Giessen (oder FFM) empfehlen?

 

Antwort:

Die Behandlung des isolierten Sichelfußes beginnt wie bei Euch mit einer Serie Redressionsgipse, einfach, um zu kontrollieren, ob die Füße unter dieser konservativen Behandlung besser werden. Es ist aber auch die kostengünstigtste und am schnellsten anpassbare Methode in den ersten Lebenswochen. Wenn dann die begleitende Physiotherapie einsetzt muß man über eine Korrekturschienenbehandlung nachdenken, da diese zur Therapie abgelegt werden können (i.d.R. ab der 12.Woche).

Wenn wie bei Ihrem Sohn eine Hautverletzung auftritt muß diese erst vollständig abheilen bevor weiterkorrigiert wird (das geht eigentlich sehr schnell). Es versteht sich von selbst, daß man die Ursache der Verletzung suchen muß, damit man den selben Fehler nicht nochmal macht. Die Zeit ist kostbar, so flexibel wie in dieser Zeit ist der Kinderfuß nie wieder.

Von den Schein-Sichelfuß-Schuhen halte ich persönlich nicht sehr viel, da sie wie Ihr auch bemerkt habt meist nicht richtig passen. Vor allem im Fersenbereich. Das Mittel der Wahl ist immer eine maßgefertigte Schiene. Diese kann mit perfekt dosiertem Druck an den richtigen Stellen wirken (sinnvollerweise durchsichtiges Material verwenden lassen). Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Toleranzfähigkeit des Kindes (Schmerzen darf ein Kind nicht haben!!!). Mit einem klugen Eingewöhnungsprozedere sind aber schnell Tragezeiten von über 18 Std. täglich zu erzielen. Grundsätzlich gilt: Je länger die Tragedauer um so stärker der Korrektureffekt. Begleitende manuelle Therapie verbessert auch die Tragedauer.

Sichelfuß-Korrekturorthesen brauchen übrigens nicht Knöchel-übergreifend zu sein. Schließlich gibt es keinen Fersenbeinhochstand zu behandeln.

Einen Techniker in Giessen bzw. Frankfurt kann ich Euch leider nicht nennen. Vielleicht gibt es auf diese Frage im Forum eine Antwort.


nach oben


24. Februar 2004

Sohn, 20 Monate alt; schwere angeborene KF beidseits, Gipsredression bis ins Alter von ca. 8 Monaten, dann OP beider Füße (gtrennt), je 6 Wochen Oberschenkelgipse, dann Oberschenkelgipsschalen, Oberschenkelnachtlagerungsschienen, seit etwa Januar verkürzt auf Unterschenkelschienen, normaler Laufbeginn mit knapp 16 Monaten, sehr erfreuliches aktuelles Roentgenbild (1 Jahr nach der OP gemacht), schön bewegliche Füße und gutes Gangbild laut behandelndem Orthopäden und Krankengymnasten.

Schon eine ganze Weile denke ich darüber nach, worin eigentlich der grundlegende Unterschied zwischen "herkoemmlichen" Nachtlagerungsschienen und den DBB besteht. DBB sind ja wohl, wenn ich das richtig sehe, mit der Ponseti-Methode kombiniert und die anderen Schienen mit den herkömmlichen operativen Methoden. Aber bewirken sie eigentlich etwas Unterschiedliches? Bei den DBB sind die Füße durch einen festen Metallstab verbunden und dann durch die nach aussen gedrehten Schuhchen in ihrer Position festgelegt, bei den Schienen werden die Beine einzeln fixiert (zunächst bis über das Knie, später dann als Unterschenkelschiene) und die Füße bzw. der Vorfuß im Bezug auf die Ferse ebenfalls nach aussen gedreht. Ich sehe in meiner laienhaften Vorstellung also lediglich einen Unterschied darin, wie man die Füße fixiert, um dann die gewünschte Aussenrotation - als Vorbeugung bzw. Verhinderung eines KF-Rezidivs - zu erzielen, der bewirkte Effekt kommt für mich auf das Gleiche heraus. Daher meine Frage: Lässt sich das Ergebnis der Ponsetibehandlung (Gipse, eventuell "Mini-OP") anschliessend auch mit normalen Nachtlagerungsschienen halten und könnte man andererseits als Nachbehandlung einer "grossen" KF-OP auch die DBB als Nachbehandlung verwenden? Oder widersprechen sich diese Konzepte? Falls man DBB und Nachtlagerungsschienen egal nach welcher Vorbehandlung verwenden kann, wäre vielleicht Kindern geholfen, die Probleme mit einer der beiden Methoden haben?

 

Antwort:

Grundsätzlich denke ich, daß gut gemachte "normale" Korrektur-Schienen jede vom behandelnden Arzt angestrebte Behandlungsmethode sinnvoll unterstützen bzw. ergänzen können. Wichtig ist, daß die Funktion der Schienen genau beschrieben und festgelegt wird. So kann der Techniker fast jede individuelle Anforderung erfüllen. Auch wenn das Wirkprinzip der Schienen bei verschiedenen Kindern ähnlich oder identisch ist, so ist doch jede Versorgung eine ganz individuelle Sache. Wenn Probleme bei der Toleranz der Schienen entstehen kann man eigentlich immer individuell darauf eingehen. Deshalb bevorzuge ich auch die Versorgung mit individuell angefertigten Schienen. Zum Glück setzt sich nun nach und nach die Behandlungsstrategie nach Ponseti durch. Das hat für die Techniker die Konsequenz, daß sie sich Gedanken zur effizienten Wirksamkeit ihrer Schienenkonstruktionen machen müssen, da nun primär nicht mehr nur Korrektursicherung sondern echte Korrektur erziehlt werden muß. Die Denis-Brown-Schiene ist ganz sicher eine mögliche Methode, zumal sie von Ponseti hinreichend angewendet und für gut befunden wurde. Ich denke allerdings auch an die einseitigen KF. Hier sollte meiner Meinung nach auch eine einseitige Versorgung angestrebt werden. Ich bin sicher, daß auch damit eine zuverlässige Korrektur (auch nach Ponseti)erreicht werden kann. Allerdings erfordert dies einen erfahrenen Orthopädietechniker der sich in der KF-Versorgung auskennt. Zusammengefasst sind die verschiedenen Schienenkonstruktionen durchaus gegeneinander austauschbar. Entscheidend ist die Funktion. Es führen mehrere Wege nach Rom!


nach oben