2. Zwilling, 14 Wochen alt, beidseitig Klumpfüße, seit dem 3. Lebenstag redressive Gipsbehandlung mit Steigerung der Traglänge, seit 3 Wochen Gipsschiene, noch nicht geröngt. Charlotte schreit extrem viel und sehr intensiv, mit voller Kraft, steigert sich im Schreien. Man hat das Gefühl, dass sie wahnsinnig wird. Nimmt gewichtsmäßig nur langsam zu ... Nachdem der letzte Gips nach zwei Wochen Tragedauer im September 02 entfernt wurde, waren die Beinchen und der Fußspann mit roten und blauen Flecken übersät, teilweise offene Stellen, die Haut wund. Seitdem wir die Gipsschienen selber mehrmals am Tag abnehmen können und Charlotte strampeln kann, geht es ihr erheblich besser, trinkt sie gut, sie wirkt ruhiger und zufriedener ohne Schienen. Jedoch wird das Anlegen der Gipsschienen immer mehr zu einem Drama, weil sie jetzt die Einengung stärker registriert und sich offenbar bewusst wird, dass ihr Gewalt angetan wird. Das Schreien steigert sich, sie ist voll Wut und Verzweifelung, sie ist kaum noch zu beruhigen, die ganze Familie leidet darunter.
1. Wir haben Angst, dass die Behandlung zu seelischen, psychischen Schäden führt. Da ihre Lebensfreude permanent entzogen wird. (Ihre Schwester - Zwilling 1 - kann mittlerweile Lachen und ist sehr fröhlich über den gesamten Tag, ein völlig anderes Kind)
2. Wenn sowieso operiert werden muß: Frage ob eine lange quälende Gipsbehandlung vorher erforderlich ist?
Antwort:
Ist eine Gipsbehandlung notwendig? Die Antwort ist sicherlich JA. Durch eine Gipsbehandlung können Deformitäten im Vorfuß gut korrigiert werden. Manche Gipstechniken vermögen fast alle Komponenten des Klumpfußes korrigieren. Lediglich der Spitzfuß ist der Gipsredression nicht zugänglich. Ein Wechsel von Gipsen zu Schienen halte ich aus mehreren Gründen für eine schlechte Idee. Es findet keine ausreichende Redression statt, die Schienen werden zu oft abgenommen, die Schienen können der neuen, korrigierten Fußform nicht konstant angepasst werden. Gibt es psychische Probleme? Diese sind sicherlich nicht nachgewiesen worden, jedoch habe ich häufiger mit Jugendlichen gesprochen, die durch einen nur unzureichend behandelten Klumpfuß sehr eingeschränkt und zum Teil auch psychisch belastet sind. Das offene Stellen nach einer Gipsbehandlung auftreten ist unüblich und ist auf eine ungenügende Polsterung oder falsche Gipsanlage zurückzuführen. Therapievorschlag:
1. Mit Gipsredression fortfahren, keine Schienenbehandlung zu diesem frühen Zeitpunkt (lesen Sie doch bitte den Text über die Ponseti Behandlung und die Möglichkeiten nicht operativer Therapien)
2. Auf gute Gipse achten ( falls das Kind weint kann dies auch auf Grund von Druckstellen im Gips aufgetreten sein). Regelmässige Gipswechsel.
3. Abklären, ob andere Ursachen für das Weinen und den Gewichtsverlust verantwortlich sind
4. Letztlich muss auch von den Eltern eine Konsequenz in der Behandlung gefordert werden. Die Behandlung muss von Eltern unterstützt und durchgezogen werden. Ist dies nicht gewährleistet, ist die Gipsbehandlung und die Unannehmlichkeiten sicherlich vergebene Mühe.
25. August 2002
Tochter, 9 Wochen alt, geb. als Zwilling in der 39. +5 Wo. 2480g, (ihre Schwester 3700g!!), Diagnose Sichelfuß, Verordnung KG, nach der Klinikentlassung beginn KG in der 3. Woche, hier Mitteilung durch den Therapeuten über Klumpfußkomponenten.
Behandlung nach Vojta und Redression. Vorstellung beim niedergelassenen Orthopäden, dieser schlug Gipsbehandlung vor, allerdings erst nach weiterer 2-wöchiger intensiver KG (Praxisurlaub!! Erfuhr ich später). Am 16.08.02 Anlegen des ersten Gipses, 18.08 Entfernung bei Stauung, Schwellung Knie und Blase am med. Fußrand.
Am 21.08.02 wurde nun durch die Uni Lübeck ein weiterer Gips angelegt. Toleranz sehr gut. Hier wurde mir mitgeteilt, daß eine operative Achillessehnenverlängerung unabdingbar sei.
Ist das grundsätzlich der Fall? Der Fuß hat deutliche Fortschritte allein durch die KG gemacht. Welche Alternativen gibt es? Führt alleinige Redression immer zur Zerstörung der Fußwurzel und zum Schaukelfuß?
Antwort:
Prinzipiell muss zunächst unterschieden werden, ob es sich um einen Sichel- oder Klumpfuß handelt. Der Sichelfuß kann allein durch Gipsbehandlung in relativ kurzer Zeit gut und ausreichend behandelt werden. Liegt ein Klumpfuß vor so muss die Klumpfußhaltung von einem kongenitalen Klumpfuß unterschieden werden. Die Therapie des Klumpfußes erfolgt durch Redressionsgipse. Hierbei favorisiere ich die zunehmend propagierte Technik nach Ignacio Ponseti. Diese ermöglicht in fast allen Fällen eine hervorragende Korrektur. Die Achillessehne ist in den meisten Fällen verkürzt. Nur in ca. 3% der Klumpfüsschen muss diese nicht verlängert werden. Nach Ponseti wird diese percutan, also durch einen nur ca. 2 mm langen Hautschnitt durchtrennt. Nach anschl. 3 Wochen Gipsbehandlung ist diese wieder in Ihrer Kontinuität hergestellt. Insgesamt ein sehr kleiner Eingriff. Bevor dies durchgeführt wird muss jedoch der Fuß durch vorherige Giptherapie bestimmte Kriterien erfüllen. Ein Schaukelfuß ist nicht die Regel und auf falsche Gipstechnik zurückzuführen. Die Fußwurzel wird durch die Behandlung nicht verletzt.
11. Juli 2002
Linda wurde am 1989 geboren, Diagnose li. Klumpfuß und re. Sichelfuß. Beide Beine wurden in Gips gelegt, nach 3 Monaten OP, die A-Sehne wurde z-förmig um 2 cm verlängert. Danach Gipsbehandlung, Nachtschiene und Antivarusschuhe bzw. Dreibackeneinlage, sowie KG nach Vojta und Bobath. Nach Aufsuchen verschiedener Ärzte wurde uns immer wieder bestätigt, daß der Fuß für einen Klumpfuß prima wäre. Linda läuft vor allem beim Rennen verstärkt mit dem linken Fuß nach innen. Die A-Sehne ist zu kurz, der Vorderfuß etwas verbreitert und leicht nach innen gestellt. Jetzt gibt es 2 Meinungen: In der Uni-Klinik Aachen würde man nur die A-Sehne verlängern, da der Fuß beweglich und weich ist, daß heißt nur eine Fehlhaltung und keine Fehlstellung hat. In Dortmund möchte man den Fuß operieren, A-Sehne verlängern und an der Ferse sowie an der Innenseite des Fußes die Gelenkkapseln öffnen.
Bis jetzt habe ich nur über Behandlungen von Säuglingen und Kleinkindern gelesen. Lindas linker Fuß hat eine Verkürzung von ca. einer Schuhgröße zum rechten Fuß und da der Vorderfuß sehr breit ist haben wir auch beim Schuhkauf unsere Probleme. Jetzt weiß ich mir keinen Rat was Richtig und was Falsch ist.
Eine OP wie in Dortmund bringt auch Risiken mit sich (evt. Versteifung oder Schmerzen, Gehbehinderung?????). Zur Zeit kann Linda alles an Sport mitmachen und ist eine der Besten. Können Sie mir etwas mehr zur obengenannten OP, sowie zu den Vorteilen/Nachteilen und Risiken sagen?
Antwort:
Obwohl die Informationen nie ausreichen, eine sichere Empfehlung zu geben kann man doch einige Punkte festhalten.
1. Es besteht ein Spitzfuß (pes equinus) und ein Einwärtsdrehen des Vorfußes (pes adductus). Beides sicherlich auf der li Seite, denn ein reiner Sichelfuß ist einer Gipstherapie in den ersten Monaten sehr zugänglich.
2. Ihre Tochter hat trotz dieser " Restdeformität" eine gute Funktion mit wenig Schmerzen.
3. Es gilt die Stellung zu verbessern, jedoch ohne Funktionseinbuße
Da Ihre Tochter nun schon 12 Jahre alt ist, würde ich von einem groß angelegten Eröffnen der Fußge- lenke Abstand nehmen. Ein "Entflechtung" ist in diesem Alter aus vielen Gründen nicht erfolgsversprechend. Der Fuß scheint ja nach der Beschreibung von Aachen doch sehr weich zu sein, eine größere Operation hat daher im Kleinkindalter sicher nicht stattgefunden. Eventuell genügt eine Verlängerung der Achillessehne um den Spitzfuß zu korrigieren. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass Opertionen am Rückfuß bei älteren Kindern weniger erfolgsverspechend sind. Um einen "ebenen" Fuss zu bekommen muss häufig eine Osteotomie, also eine knöcherne Operation im Mittelfuss durchge-führt werden. Auch der Einwärtsgang kann durch einen solchen Eingriff verbessert werden. Dies tut die A-Sehnen-Verlängerung nicht. Ich kann mich daher, obwohl es mir sehr leid tut, spontan keiner der beiden Meinungen bedingungslos anschließen. Sollte jedoch der Rückfuß operiert werden würde ich den Aachener Vorschlag beherzigen.
26. Juni 2002
Vor 40 Jahren wurde ich mit beidseitigen KF geboren. Da ich ein Frühchen war und die Ärzte zu meiner Mutter sagten, "das Baby überlebt sowieso nicht", wurde erst nach Wochen (?) mit der Therapie begonnen: zuerst Gips, später Einlagen und orthopädische Schuhe (bis zum 12.Lebensjahr). Seit ca. 2 Jahren habe ich Schmerzen beim Laufen. Nach etlichen unbefriedigenden Arztbesuchen (Chirurgen, Orthopäden) wurde endlich die Ursache gefunden. Diagnose: "angeborener Klumpfuß und zunehmende Sichelfußfehlstellung und Schmerzhaftigkeit bei fehlendem Os cuneiforme laterale".
Vor zweieinhalb Monaten wurde der rechte Fuß in der Uniklinik Greifswald operiert - Arthrodese der lateralen Tarsometatarsalgelenke. Nach sieben Wochen wurde der Gips entfernt. Nun habe ich immer noch Probleme beim Abrollen des Fusses, bin aber mit dem optischen Ergebnis der OP zufrieden, der Fuß sieht nicht mehr so deformiert aus wie der andere.
Kommt es häufiger vor, daß bei Klumpfüßen ein Knochen fehlt? Gibt es da irgendwelche Erfahrungen oder andere OP-Methoden? Liegt das Nicht-Abrollen-Können an der Arthrodese? Meine beiden Kinder haben gesunde Füsse, kann bei ihnen trotzdem die gleiche Fehlbildung sein?
Antwort:
Die Arthrodese ist sehr häufig die richtige Therapie bei bestehenden Beschwerden im Erwachsenenalter. Ihren Angaben nach zu urteilen ist auch bei Ihnen das Richtige durchgeführt worden. Die Schwierigkeiten beim Abrollen hängen unter anderem mit der Arthrodese zusammen. Die Beweglichkeit im Mittelfuß wurde ja hierduch weitgehend dauerhaft unterbunden. Ein weiterer Grund für das nicht Abrollen kann natürlich an einer zu kurzen Wadenmuskulatur mit Spitzfuß liegen. Da sie dies nicht erwähnten, wird dies bei Ihnen vermutlich nicht der Fall sein. Das noch Schmerzen beim Abrolllen bestehen kann noch auf die Operation zurückgeführt werden, langfristig sollten diese jedoch rückläufig sein. Dass Ihre Kinder ebenfalls ein fehlendes Cuneiforme laterale aufweisen ist eher unwahrscheinlich, zumal keinerlei Beschwerden bestehen.
29. Mai 2002
Tegenne (3,5 Jahre alt): Gipstherapie ca. 11Monate, dann Laufschiene, Antivarusschuhe und Drei-punkt-Einlagen. Mit 2,5 Jahren Op (med. Entflechtung bds., Verlängerung des musculus abductor hallucis bds., Reposition des Kahnbein und Kirschnerdrahtfixierung li.). Anfangs hatteTegenne ausgeprägte Klumpfüße, welche sich unter der Gipstherapie jedoch so gut entwickelt haben (Fersenhochstand war links völlig "verschwunden" und re. kam sie auf 90° Beugung) dass eine Op mit einem halben Jahr nicht als notwendig erachtet wurde. Mit ca 2 Jahren stellte sich dann eine verschlechterung ein und Tegenne entwickelte ausgeprägte Ballenhohlfüße mit metatarsus adductus bds. Nach der Op sollte sie laut behandelndem Arzt weder Schuhe noch Einlagen o.ä. tragen, was eine Verschlimmerung beider Füße zur Folge hatte. In Absprache mit dem Arzt bekam sie dann wieder Antivarusschuhe und Einlagen mit mäßigem Erfolg. Der Vorfuß zeigt immer noch nach innen und der Ballenhohlfuß ist mäßig immer noch vorhanden. Der behandelnde Arzt sprach schon bald nach der ersten Op von einer weiteren. Da der Erfolg jedoch so geringfügig ist, möchte ich davon vorerst jedoch absehen. Und da der Doc immer auf´m Sprung ist und wenig Zeit für Fragen bleibt, wende ich mich heute mal an Sie. Wie schon gesagt möchte ich eigentlich mit einer weiteren Op warten wollen, weiß jedoch nicht, welche Konsequenzen sich daraus für meine Tochter ergeben, wenn die Op dann ggf. erst zum Ende der Pupertät hin durchgeführt wird.
Beeinflusst dass das Op-Ergebnis negativ? Bekommt sie Schmerzen wenn die Füße nicht operiert werden? Worin besteht der Vorteil wenn man so frühzeitig operiert, ausser dass der Fuß bei der Krankengymnastik noch nicht so verhärtet ist?
Ein weiteres Problem für mich stellt meine jüngere Tochter Shereena (1,5 Jahre alt) dar. Sie hat leichte Sichelfüße, welche anfangs mit Federschühchen behandelt wurden. Danach war der Doktor - entgegen meiner Meinung - der Ansicht, dass sie keine Schuhe oder dergleichen mehr tragen müsste. Derzeitiger Stand ist der, dass der Tallus (?) der Knochen mittig an der Fußaussenseite rechts ziemlich "herausschaut" und die Maus den Fuß stark nach innen dreht beim laufen (das hat ja an sich nicht´s mit dem Krankheitsbild zu tun). Daraufhin war ich Anfang des Jahres beim Arzt und habe mir Einlagen verschreiben lassen und nun war plötzlich ein großes Geschrei von wegen: hach so schlecht... Ein bißchen sauer bin ich darüber schon, da die Füße halt von Geburt an nicht wirklich schlecht waren und ich der Überzeugung bin, dass man sie mit einer konsequenten Therapie gut hinbekommen hätte (der Doc hat mir nicht mal Kg aufgeschrieben). Nun ist jedoch auch von Op die Rede...
Meine Frage dazu ist ähnlich wie die zu meiner großen Tochter.
Antwort:
Zu ihrer älteren Tochter ist zu sagen, dass es zunächst sehr unwahrscheinlich klingt, den Spitzfuß (Fersenhochstand) durch reine Gipsbehandlung in den Griff bekommen zu haben.Ein Hohlfuß ist häufig mit eine Folge der üblichen Gipstechnik, weshalb ich zunehmend eine alternative Gipstechnik nach Ponseti anwende.
Es müssen jedoch weitere Fragen geklärt werden. Kann der Fuß weit nach dorsal, also nach oben gezogen werden? Ist der Adductus fixiert? Wie steht der Rückfuß? Gibt es Röntgenbilder? Im Allgemeinen würde ich Ihnen bei nicht ausreichender Klumpfußkorrektur empfehlen, lieber früh als später eine Therapie durchführen zu lassen. Unter Umständen genügt eine Operationen an Muskel und Sehnen. Dies kann ich jedoch mit der vorliegenden Information nicht einschätzen. Zu warten bis das Kind älter ist halte ich für eine schlechte Idee.
Bei Ihrer jüngeren Tochter muss geklärt werden, ob es sich um einen einfachen Sichelfuß, einen Serpentinenfuß oder möglicherweise um eine vermehrte Drehung des Unterschenkels handelt. Weitgehend alle Sichelfüße können durch eine Gipstherapie erfolgreich behandelt werden. Beim seltenen Serpentinenfuß ist das nicht der Fall. Hier ist auch der Rückfuß von der Deformität betroffen. Hier können operative Maßnahmen nötig sein. Bei Einwärtsgang auf Grund einer vermehrten Drehung im Unterschenkel kann meist abgewartet werden, da sich dies im Rahmen der normalen Entwicklung zurückbilden wird. Ich hoffe Ihnen mit dieser Information geholfen zu haben. Meine Aussagen beruhen auf der Information in Ihrer Anfrage. Ein genaues Therapiekonzept für Ihren Einzelfall kann ich jedoch per Email nicht erstellen.
27. Mai 2002
Ich habe einen Klumpfuß links und würde gerne wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass meine Kinder auch einen Klumpfuß bekommen bzw. ob es überhaupt sein kann, dass sie einen bekommen. Gibt/Gäbe es eine Möglichkeit dem vorzubeugen? Bei uns in der Familie gibt es keine weiteren Fälle von KF.
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Tochter, 6 Jahre alt mit KF bds. Meine Frage geht eigentlich in eine etwas andere Richtung aber vielleicht können Sie mir trotzdem antworten.
Es gibt doch sicherlich eine Statistik -In wievielen Fällen tritt wie oft diese Krankheit bei Jungen und Mädchen auf? Ist es möglich, wenn ich noch ein Kind bekommen würde, das dieses auch mit dieser Krankheit geboren wird? Wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit?
Antwort:
Ich denke beide Anfragen zielen auf das gleiche ab. Also hier eine Antwort für beide. Der Klumpfuß kommt in Mitteleuropa mit einer Inzidenz (Vorkommen) von ca. 1 pro 800 Geburten vor. Jungen sind ungefähr doppelt so oft betroffen. Andere Volksgruppen können eine höhere Inzidenz aufweisen.
Die Entstehung eines Klumpfußes hat UNTER ANDEREM auch genetische Ursachen. Hier ist nicht ein Gen sondern die Kombination vieler Genlokalisationen für die Entwicklung eines Klumpfußes verantwortlich. Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft (um die 10. Schwangerschaftswoche) können aber auch einen Klumpfuß hervorrufen.Dies ist wahrscheinlich die größte Gruppe. Milde Formen sind unter Umständen durch intrauterine Fehllagerung hervorgerufen. Diese sind jedoch meistens einer konservativen Therapie sehr zugänglich. Hat ein Verwandter 1. Grades einen Klumpfuß (Eltern ,Geschwister) erhöht sich die Inzidenz auf 2.9%, also fast 3 Kinder pro 100. Die Inzidenz ist deutlich niedriger bei Verwandten 2. Grades.
13. Mai 2002
Meine Tochter hat einen Klumpfuß, rechts, geb. 29.04.2001. Bisherige Behandlung: 5 Wochen Gipstherapie, 5 Wochen Unterschenkelschiene, seither Wickeln nach Zukunft-Huber. Außerdem machen wir Krankengymnastik ( Vojta und Dehntechnik nach Zukunft-Huber). 3 Mal ( 29.10 2001 , 28.01.2002 und 08.04.2002 ) erfolgte eine Vorstellung beim evtl. Operateur und 3 Mal wurde eine Operation noch nicht für erforderlich gehalten , da sich Fortschritte in der Behandlung (nach klinischem Befund und auch auf dem Röntgenbild) nachweisen ließen. Der Orthopäde hält Lizzy´s Fuß für einen " Grenzfall" bezüglich einer erforderlichen OP (meine Interpretation). Gegenwärtig ist der Stand der, daß wir warten werden, wie sich der Fuß beim freien Laufen einstellen wird. Dann soll evtl. doch noch operiert werden. Der Fuß selbst läßt sich gegenwärtig wie folgt beschreiben : Der Vorfuß dreht stark nach innen, die Ferse ist fast unten (würde sagen, im 2-3 Millimeterbereich), der Rückfuß sieht (allerdings nur, wenn sie richtig steht) "normal" aus, ansonsten steht ein Knochen unterhalb des Außenknöchels leicht nach außen. Dieser Knochen läßt sich bei der KG jedoch "an seinen Platz" drücken. Passiv läßt sich der Fuß insgesamt in die richtige Stellung bringen. Beim Stehen stellt sie den Fuß manchmal richtig auf und manchmal mehr auf der Fußaußenseite (das korrigieren wir dann immer). Den KF belastet sie nicht richtig, steht meist mit dem ganzen Gewicht auf dem anderen Fuß. Die Fußlänge ist sehr gut, der Fuß ist im Prinzip genau so lang wie der linke. Lizzy ist jetzt ein Jahr alt. Sie läuft (auf Spitzen) am Tisch/Möbeln entlang. Frei laufen kann sie noch nicht.
Nun meine Fragen :
Halten Sie es (aus der Ferne und nach meiner Beschreibung) für sinnvoll, den Laufbeginn und eine damit evtl. einhergehende Besserung des Fußes abzuwarten? Gibt es Ihrerseits diesbezüglich Erfahrungen? Könnte durch das Warten über den Laufbeginn hinaus eine negative Entwicklung des Fußes erfolgen? Welche Schuhe / Einlagen etc. würden sie empfehlen? Welcher Zeitpunkt wäre aus Ihrer Sicht der richtige für Schuhe/Einlagen? (Gegenwärtig hat sie noch nichts)
Antwort:
Leider kann ich durch Ihre Beschreibung kein rechtes Bild vom Fuß Ihrer Tochter gewinnen. Es gibt Fälle, bei denen eine Operation gänzlich unnötig ist. Jedoch wäre ich bei einer noch bestehenden Deformität im Alter von einem Jahr eher skeptisch, ob dies hier der Fall ist. Ein Röntgenbild wäre hier sehr hilfreich. Eventuell kann dies ja mit dem Scanner eingescannt und mir zugeschickt werden. Ich glaube, dass die konservative Therapie bei einer Einjährigen prinzipiell weniger erreicht als bei einer jüngeren Patientin. Auch die Ponseti-Methode wurde bei höchsten 6 bis 8 Monate alten Kindern angewandt.
März 2002
Gibt es Statistiken darüber, wieviele Kinder erfolgreich behandelt wurden, bzw. wieviele Kinder dennoch operiert werden mussten?
Antwort:
Dr. Herzenberg hat mir versichert, dass in seinem bereits relativ grossen Patientengut ca. 10 Prozent der Patienten letzlich eine Operation benötigten. Vor Anwendung des Ponseti Prinzips waren dies jedoch ca. 90 Prozent!!!! Fast alle bekommen die Durchtrennung der Achillessehne vor dem letzten Gips (sechster bis achter Gips) in einem kleinen ambulanten Eingriff, hier meist in lokaler Betäubung. Im weiteren Verlauf, insbesondere bei den Füßchen die zum Rezidiv Neigen, ist eine weitere Sehnenoperation notwendig. Eben nur eine Sehne deren Ursprung am Fuß letzlich mehr zur Seite gebracht wird um das "nach innen drehen" zu vermeiden. Dies sind ca. 20 Prozent. Diese Zahlen decken sich auch mit den Erfahrungen von Ponseti. Das habe ich aber aus 2. Hand, ich werde Ponseti im September besuchen und sicher noch mehr von ihm lernen. Er ist inzwischen 87 Jahre alt, aber extrem engagiert und ein hervorragender Lehrer.
März 2002
Inwieweit kann die Ponsetimethode z.B. denn noch wirksam sein, wenn das Kind bereits nach "herkömmlicher Methode" behandelt wurde?
Antwort:
Bezüglich der Anfrage ist zu sagen, dass nach einer operativen Therapie die konservative Methode nach Ponseti keine wesentliche Verbesserung verspricht. Man müsste jedoch die bereits durchgeführten Behandlungen und den gegenwärtigen "Zustand" des Fusses kennen, um eine konkrete Empfehlung zu geben. Dr Herzenberg hat bei noch nicht operativ behandelten Füßen auch beim älteren Kleinkind sehr gute Ergebnisse vorweisen können, so dass in diesem Falle eine Therapie möglicherweise zu empfehlen sein könnte.







